Alter Markt
Frei zugänglich
Der Alte Markt ist der historische Mittelpunkt der Kieler Altstadt – früher die höchstgelegene Stelle der alten Stadt, am nördlichen Ende der Holstenstraße. Von 1242 bis 1987 trug er schlicht den Namen Markt. Wer genau hinschaut, ahnt noch die mittelalterliche Idee dahinter: Der Verkehr floss einst diagonal über den Platz, von der Holstenstraße hinüber zur Dänischen Straße – keine streng rechtwinklige Anlage, sondern eine gewachsene Freifläche im Herzen der Altstadtinsel.

Jahrhundertelang war hier Handel. Auf dem Markt wechselten Waren des täglichen Bedarfs und frische Lebensmittel den Besitzer, aber auch Blumen.

Eine der eigenwilligsten Episoden gehört dem 17. Jahrhundert: die sogenannten Persianischen Häuser, die Mitte des Jahrhunderts einen erheblichen Eingriff in den Platz bedeuteten. Ihren Namen verdanken sie einem ehrgeizigen Plan Herzog Friedrichs III., den Seidenhandel aus Persien nach Kiel zu lenken – ein Vorhaben, das scheiterte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts mussten die alten Bürgerhäuser gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshäusern weichen.

Sein heutiges, ungewöhnliches Gesicht erhielt der Platz erst 1972. Zur Olympiade jenes Jahres gestaltete der Architekt Wilhelm Neveling ihn vollständig um – zu einer gepflasterten Senke mit Pavillons und Granitsteinen in der Mitte. Die ursprüngliche Form blieb dabei im Wesentlichen erhalten, doch durch die Absenkung wurde der Markt vom umgebenden Straßennetz getrennt. Die markanten Pavillonbauten stehen seit Februar 2018 unter Denkmalschutz. Rundherum reiht sich heute Gastronomie – darunter, im Gasthaus Kieler Brauerei, die letzte historische Brauerei der Stadt, die neben selbst gebrautem Bier auch regionale Küche anbietet.

Vor der Nikolaikirche, dem ältesten erhaltenen Gebäude Kiels, das um 1242 errichtet wurde, wacht ein Kunstwerk von Rang: Ernst Barlachs Bronzeplastik Der Geistkämpfer. Barlach gestaltete einen Engel, der ein langes Schwert nach oben streckt, während er auf dem Rücken eines grimmigen Tieres steht. Der Engel beherrscht das wilde Tier, ohne es zu vernichten – ein Sinnbild dafür, dass die Kraft des Geistigen und der Kultur stärker sind als die dunklen Triebe. Enthüllt wurde die Plastik 1928, an der Heiligengeistkirche und ohne große Feier, denn das moderne Werk stieß auf Kritik. Unter den Nationalsozialisten wuchs der Widerstand, bis schließlich sogar das Einschmelzen beschlossen wurde; nur unter Mühen gelang es, das Kunstwerk zu verstecken und zu retten. Erst im Juni 1954 kehrte es zurück – nun an seinen neuen Standort vor der St. Nikolaikirche.

Auch eine alte Tradition lebt hier weiter: der Kieler Umschlag. Im Mittelalter zuerst und vor allem ein Geld- und Kapitalmarkt, hatte er im 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreicht und auch internationale Bedeutung. 1911 wurde er ganz eingestellt. Seit 1975 aber findet er als Volksfest wieder statt – alljährlich am letzten Februarwochenende, in der Holstenstraße und auf dem Alten Markt.
- Bei der Stadtgründung 1242 als Marktplatz vor dem alten Rathaus angelegt, bis 1987 nur Markt genannt
- Höchstgelegene Stelle der alten Stadt; behielt seine rhomboide, nicht rechtwinklige Grundform