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Bootshafen

20 MinAltstadt

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Mitten im Trubel der Kieler Innenstadt, gleich neben der belebten Holstenstraße, öffnet sich plötzlich eine ruhige, dreieckige Wasserfläche: der Bootshafen. Rund 4.200 Quadratmeter groß, liegt er südlich der Altstadt und westlich des Schwedenkais – ein stiller Ort, der mehr Geschichte birgt, als man ihm auf den ersten Blick ansieht.

Klappbrücke zum Bootshafen
Klappbrücke zum Bootshafen.Zieher, Ottmar, um 1910 · gemeinfrei · Quelle

Denn dieses Becken ist ein Überbleibsel des ursprünglichen Meeresarms, der von der Kieler Förde abzweigte und die damals auf einer Halbinsel gelegene Altstadt im Süden und Westen umschloss. Wer hier am Wasser steht, blickt also auf einen letzten Rest jener alten Wasserlandschaft, die Kiel einst seine Form gab.

Bootshafen
Bootshafen.Edlefsen, Hermann, um 1910 · gemeinfrei · Quelle

Im Lauf des 19. Jahrhunderts begann der Mensch, diesen Meeresarm Stück für Stück zu zähmen. 1846 wurde zwischen dem heutigen Bootshafen und der Förde ein Damm für die Eisenbahn aufgeschüttet – anfangs mit einer festen Brücke, ab 1856 mit einer Drehbrücke, durch die Schiffe noch passieren konnten. 1901 trennte man den Bootshafen schließlich vom benachbarten Kleinen Kiel ab: Die Verbindung wurde nach Abriss der Holsten- und Kehdenbrücke zugeschüttet und nur noch durch ein Rohr ersetzt. Mit dem Ausbau der Straße Holstenbrücke 1904 baute man auch den Damm um und versah ihn mit einer Klappbrücke. Erst auf dem Stadtplan von 1883 taucht übrigens der Name „Bootshafen" zum ersten Mal auf.

Bootshafen
Bootshafen.M. Glückstadt & Münden, Hamburg (Moritz Glückstadt 1853-1921, Daniel Münden 1866-1943), um 1910 · gemeinfrei · Quelle

Eine echte Kuriosität schwebte ab 1974 über dem Wasser: Bis 1989 konnte man den Bootshafen mit der Seilbahn des Kaufhauses Weipert überqueren – eine Gondelfahrt mitten über die Innenstadt. 1982 entstand am Rand des Areals der Schwedenkai, ein neuer Fähranleger für den Verkehr nach Göteborg.

Bootshafen
Bootshafen.Unknown author Unknown author, um 1880 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Lange Zeit blieb der Bootshafen ein eher vernachlässigter Winkel. Das änderte sich 2002 grundlegend: Die Stadt gestaltete die umliegenden Flächen neu und führte sie in großzügigen, treppenartigen Terrassen bis ans Wasser hinunter. Heute sitzt man an der Nordseite auf breiten Sitzstufen direkt überm Hafenbecken, in den Ecken liegen Rampen, an der Westseite entstand eine bühnenartige Anlage, und auf dem Wasser treibt ein schwimmender Ponton. Ein Lichtkonzept taucht den Platz in der Dämmerung in Stimmung.

Bootshafen
Bootshafen.Levy, Wolff Behrend, um 1911 · gemeinfrei · Quelle

Und die Geschichte schreibt sich weiter: Mit dem Holstenfleet, das Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am 20. August 2020 einweihte, wurde an Stelle einer vierspurigen Autostraße wieder eine offene Wasserverbindung vom Bootshafen in Richtung Kleiner Kiel geschaffen. Den Namen legte die Ratsversammlung im Herbst 2020 fest, nachdem sich bei einer Leserabstimmung der Kieler Nachrichten die Variante „Holsten-Fleet" durchgesetzt hatte.

So ist der Bootshafen heute beides zugleich: ein ruhiger Rückzugsort neben der Einkaufsstraße – und ein Stück lebendige Stadtgeschichte, das man von den Sitzstufen aus mit den Füßen fast berühren kann.

Wusstest du?
  • Rund 4.200 Quadratmeter große Wasserfläche mitten in der Innenstadt, neben der Holstenstraße
  • Überbleibsel des Meeresarms, der die Altstadt einst zur Halbinsel machte