Botanischer Garten Kiel
Eintritt frei (außer bei einzelnen Sonderveranstaltungen)
Wer durch das schmiedeeiserne Eingangstor des Botanischen Gartens tritt, läuft an zwei vier Meter hohen Bäumen aus Stahl vorbei – stilisierten Butterbäumen, dem Wahrzeichen des Gartens. Das Künstlerpaar Isabel und Kurt Lange entwarf und schmiedete das florale Tor 2015 nach südafrikanischen Butterbäumen, von denen Kieler Exemplare im Schaugewächshaus zu den weltweit größten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets zählen. So beginnt der Besuch schon am Eingang mit einer Geschichte.
Und die reicht weit zurück. Vier Jahre nach Gründung der Christian-Albrechts-Universität legte Johann Daniel Major, Professor für theoretische Medizin und Botanik, 1669 in einem Teil des damaligen Schlossgartens einen hortus botanicus an – einen Garten für die Lehre. Damit gehört der Botanische Garten der Universität zu den ältesten Einrichtungen seiner Art und blickt heute auf eine rund 350-jährige Geschichte zurück. In über drei Jahrhunderten wanderte er durch die Stadt: vom Schlossgarten zum Kloster, weiter zum akademischen Krankenhaus, dann in eine Endmoränenlandschaft – heute steht er an seinem fünften Standort an der Leibnizstraße, seit dem 6. Juni 1985 öffentlich zugänglich.
Auf rund acht Hektar wachsen hier etwa 14.000 Pflanzenarten aus aller Welt, erschlossen durch ein rund zehn Kilometer langes Wegnetz. In kurzer Zeit reist man zwischen den Kontinenten: durch Freilandreviere mit der Flora Amerikas, Asiens und Europas, vorbei an heimischen Biotopen wie Heide, Düne und Moor bis hinauf zu den Hochgebirgen der Erde im Alpinum. Themengärten wie der Arzneigarten und ein Rosarium ergänzen das Freiland.
In den sieben Schaugewächshäusern geht die Reise weiter – ins Tropenhaus, ins Nebelwaldhaus, ans Mittelmeer, in die Subtropen und in die beiden Wüstenhäuser für Afrika und Amerika. Das Tropenhaus ist allein achtzehn Meter hoch und etwa 800 Quadratmeter groß; zwischen Palmen, Lianen und Orchideen rankt hier auch der Jadewein. Im Victoria-Haus wachsen Mangroven und mit der Victoria die größte Seerose der Welt, die in Kiel über den Winter kultiviert wird und meist schon im Januar blüht. Ein seltenes Spektakel bietet die Titanenwurz: Im März 2012 war sie hier erstmals während der Blüte zu betrachten, 2018 blühte sie sogar doppelt.
Hinter all dem steht Wissenschaft. Der Garten unterstützt zahlreiche forschende Arbeitsgruppen der Biologie mit Pflanzenmaterial und Know-how, beteiligt sich am internationalen Austausch von Pflanzenmaterial zu wissenschaftlichen Zwecken und engagiert sich für den Erhalt seltener Arten – die Universität nennt ihn „das grüne Herz der Kieler Universität". In den Schaugewächshäusern finden sich zudem Werke zeitgenössischer Künstler aus Norddeutschland.
Geöffnet ist der Garten täglich ab neun Uhr, das ganze Jahr über, mit nach Jahreszeiten wechselnden Schließzeiten. Und das Schönste: Der Besuch des Gartens und der Schaugewächshäuser ist – außer bei einzelnen Sonderveranstaltungen – kostenlos.
- Rund 350-jährige Geschichte, seit 1985 am fünften Standort öffentlich zugänglich
- Etwa acht Hektar mit rund 14.000 Pflanzenarten und ca. zehn Kilometer Wegnetz