Maritim

Der Segler

5 MinAltstadt

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Hoch über dem Seegarten am Ostseekai, dort wo heute die großen Kreuzfahrt- und Fährschiffe anlegen, balanciert eine schlanke Bronzefigur auf einem rund 15 Meter hohen Betonpfeiler: „Der Segler“ des Bildhauers Karlheinz Goedtke. Im Juni 1962, pünktlich zur Kieler Woche, wurde die stilisierte Plastik am damals wichtigsten Hafenplatz der Landeshauptstadt aufgestellt – ein bewusst gesetztes Zeichen für jenen Sport, mit dem Kiel mehr verbunden ist als mit fast allem anderen. „Fast könnte man denken, es sei das Wappensymbol der Segelstadt Kiel“, heißt es über das Werk.

Schauen Sie genauer hin, und Ihnen wird etwas fehlen: das Segel. Genau das ist Goedtkes Kniff. Das wichtigste Element eines Seglers ist hier nicht Teil der Arbeit, sondern muss, wie es heißt, „im Geiste ergänzt werden“ – der Wind, das Tuch, die Fahrt bleiben der Vorstellung überlassen. Im Volksmund trägt die Figur auf ihrer hohen Stele auch einen zweiten Namen: „Liegender Holländer“.

Goedtke, 1915 in Kattowitz geboren, siedelte 1951 nach Mölln über und gehörte zu den prägenden norddeutschen Bildhauern der Nachkriegszeit. 1950 hatte er von der Stadt Mölln mit dem Eulenspiegel-Brunnen seinen ersten offiziellen Auftrag erhalten; insgesamt schuf er über 200 Großplastiken, viele davon im öffentlichen Raum. Der Kieler Segler aber bleibt eine seiner unverwechselbarsten Arbeiten – ein Wahrzeichen, das man im Vorbeigehen leicht übersieht und das doch das Selbstverständnis der Stadt in einer einzigen Geste bündelt.

Wusstest du?
  • Von Karlheinz Goedtke, enthüllt zur Kieler Woche 1962.
  • Im Volksmund „liegender Holländer“ genannt.