Festung Friedrichsort
Gelände privat, nur bei Führungen zugänglich; von außen frei zu sehen [pruefen]
Wo die Kieler Förde am schmalsten ist, an der Friedrichsorter Enge, ragt seit fast vier Jahrhunderten ein steinerner Stern aus dem Ufer: die Festung Friedrichsort. Sie gilt als die einzige noch erhaltene Seefestung Deutschlands – und ihre Geschichte beginnt mitten im Dreißigjährigen Krieg.

Ab 1632 ließ der dänische König Christian IV. hier, im Südosten des damaligen Herzogtums Schleswig, eine Festung anlegen. Die Bauleitung übernahm der Ingenieur Axel Urop. Die Lage war kein Zufall: Wer diese engste Stelle der Förde beherrschte, kontrollierte den Schifffahrtsweg nach Kiel. Christian IV. wollte den Süden seines Reiches gegen die Schweden sichern und nannte sein Bollwerk „Christianspries“.
Doch die Festung musste ihre erste Bewährungsprobe gleich verlieren. Im Dezember 1643, zu Beginn des Torstenssonkriegs, eroberten schwedische Truppen die Anlage und hielten sie besetzt – bis der Krieg 1645 mit dem Frieden von Brömsebro endete. Den eigentlichen Schlussstrich zog der dänische König Friedrich III.: 1648 ließ er die Festung schleifen, also dem Erdboden gleichmachen.

Lange blieb der Platz nicht leer. Ab 1663 ließ Friedrich III. die Festung durch den niederländischen Festungsbaumeister Henrik Ruse völlig neu errichten – und gab ihr seinen eigenen Namen: aus Christianspries wurde Friedrichsort. Dieser Königsname lebt bis heute weiter, denn der gesamte Kieler Stadtteil verdankt der Festung seinen Namen. Ruse formte ein unregelmäßiges Fünfeck mit fünf Bastionen, umgeben von einem Wassergraben, mit einem Durchmesser von rund 300 Metern. Bis 1790 wuchs die Anlage zu ihrer größten Ausdehnung heran.
Eine neue Ära brach an, als das Herzogtum Schleswig 1867 als Folge des Deutsch-Dänischen Krieges an Preußen fiel. Die Preußen bauten die Festung um – und richteten sie ganz auf das Meer aus: Ihre Kanonen waren ausschließlich zur Seeseite gerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die wehrhafte Anlage ihren kriegerischen Zweck. In den verbliebenen Kasematten fanden Flüchtlinge Unterkunft; die Kasematte 1 diente von 1958 bis 1974 sogar als Obdachlosenlager. Ab 1957 nutzte die Bundeswehr die Gebäude, bis sie die Festung 2004 endgültig aufgab. Bereits 1966 hatte man die verbliebenen Reste unter Denkmalschutz gestellt.
Heute ist von der einstigen Wehranlage vor allem der Wassergraben im Süden und Osten erhalten, dazu die Wallanlagen im Süden, Westen und Osten. Seit 2006 ist die Festung in privatem Besitz und kann nur bei Führungen betreten werden. Und in den Gewölben der südlichen Kasematte 2 ist seit August 2017 etwas Friedliches eingezogen: eine kleine Bierbrauerei. Wo früher Kanonen die Förde bewachten, reift heute also Bier – ein versöhnliches Ende für Deutschlands letzte Seefestung.
- Einzige erhaltene Seefestung Deutschlands, an der schmalsten Stelle der Förde
- Ab 1632 von Dänenkönig Christian IV. erbaut, ursprünglich „Christianspries“