Forstbaumschule
Park frei zugänglich; Restaurant/Biergarten mit eigener Karte
Wer durch den vornehmen Stadtteil Düsternbrook spaziert und unter alte Baumkronen tritt, betritt den ältesten Park Kiels – und damit ein Stück dänische Forstgeschichte. Denn diese grüne Anlage war ursprünglich gar kein Park, sondern eine Schule für Bäume und für die Menschen, die sie pflegen sollten.

Die Geschichte beginnt 1785: Um der starken Dezimierung des dänischen Waldbestandes zu begegnen, wurde in Kiel eine Forstlehranstalt gegründet – auf Betreiben des dänischen Staatsministers Christian Detlev von Reventlow. Schleswig-Holstein gehörte damals zum dänischen Gesamtstaat. 1788 wurde die Lehranstalt durch eine Baumschule im Düvelsbeker Gehege ergänzt, anfangs nur etwa einen Hektar groß. Ihr erster Leiter war der Forstwissenschaftler August Christian Niemann (1761–1832); nach ihm wurde später der nahe gelegene Niemannsweg benannt. Hier zog man Bäume heran und bildete angehende Forstleute aus.
Doch das Lehrgeschäft währte nicht ewig. Der Betrieb blieb als staatliche Handelsbaumschule erhalten, die ihre Erzeugnisse an jedermann verkaufte – über Jahrzehnte ein Ort, an dem Gärtner und Private ihre Bäume bezogen. Erst 1898 wurde der Baumschulbetrieb eingestellt. Was nun? Die Stadt entschied sich nicht für den Abriss, sondern für die Verwandlung: Aus der nüchternen Baumschule sollte ein Landschaftspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens werden.

Bei diesem Umbau zeigte sich Weitblick. Viele alte und dekorative Bäume aus der Gründungszeit blieben erhalten – darunter ungewöhnliche, in Mitteleuropa nicht heimische Arten wie ein Mammutbaum und nordamerikanische Eichen. Überzählige Gehölze wurden in den Schrevenpark umgepflanzt, der damals noch Hohenzollernpark hieß. Und das alte, schnurgerade Wegenetz wich einem geschwungenen Wegesystem, wie es der englische Gartenstil verlangt.
Mitten in dieser jungen Parklandschaft entstand der gesellige Mittelpunkt: An der Stelle des alten Forstaufseherhäuschens entstand 1904/05 im Auftrag des Stadtbauamtes ein Gastwirtschaftsgebäude – ein Backsteinbau im Stil eines schleswig-holsteinischen Bauernhauses. Am 2. September 1905 eröffnete darin ein Lokal, das bis heute besteht. Das denkmalgeschützte Gebäude mit seinem Biergarten ist seither ein beliebter Treffpunkt – und die "Forstbaumschule" wurde zum Namen, den der ganze Park trägt.

Der Park wuchs weiter mit der Stadt. 1928 wurden Rasen- und Spielflächen angelegt. 1950 erweiterte Kiel das Gelände bis zur Schlieffenallee und zur Feldstraße; heute umfasst die Forstbaumschule rund 12,5 Hektar – deutlich mehr als der eine Hektar des Anfangs. Gemeinsam mit dem benachbarten Diederichsenpark und dem Düsternbrooker Gehölz bildet sie ein Landschaftsschutzgebiet.
Mit Liegewiesen, Spielplätzen und schattigen alten Bäumen ist die Forstbaumschule heute ein Ausflugsziel für jedes Alter und jede Jahreszeit – ein Ort, an dem aus einer Schule für Förster ein grünes Wohnzimmer für ganz Kiel geworden ist. Der Park ist frei zugänglich.
- Ältester Park Kiels, hervorgegangen aus einer 1788 angelegten Baumschule
- Diente ursprünglich der Zucht seltener Bäume und der Ausbildung von Forstleuten