Geschichte

Friedrichsort

45 MinFriedrichsort

Stadtteil frei zugänglich

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Wer heute durch die ruhige Einkaufsmeile von Friedrichsort schlendert – über Pflasterwege, vorbei an Ruhebänken und Straßencafés –, ahnt kaum, dass er auf einem der ältesten und militärisch wichtigsten Flecken Kiels steht. Der Stadtteil liegt ganz im Norden der Stadt, am Westufer der Förde, dort wo das Wasser sich auf knapp einen Kilometer verengt. Über vier Jahrhunderte Geschichte stecken in diesem Namen – und der Name selbst hat sich mehrfach verwandelt. 1590 hieß die Spitze noch „Prießorth", also „Vorsprung von Pries". 1631 benannte der Erbauer der dortigen Burg den Bereich nach sich selbst: „Christianspries". Und 1727 schließlich gab König Friedrich III. dem Ort seinen heutigen Namen – aus „Friedrichsorth" wurde Friedrichsort.

Doch die berühmteste Episode spielt 1848, mitten in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. Die Kieler Bürgerwehr besetzte die damals dänische Festung, und das Kommando führte ein von der preußischen Armee entsandter Offizier, den später die ganze Welt kennen sollte: Werner Siemens. Gemeinsam mit seinem Schwager, dem Kieler Chemieprofessor Himly, entwickelte er hier etwas völlig Neues – die ersten funktionsfähigen ferngezündeten Seeminen. Sie wurden vor der Festung quer über die Förde ausgelegt, mit Zündkabeln verbunden und hinderten die dänische Marine daran, in die Förde einzudringen und die Stadt aus der Nähe zu beschießen. Ein technischer Geniestreich, geboren an genau dieser schmalen Stelle des Wassers.

Luftaufnahme Friedrichsort
Luftaufnahme Friedrichsort.Magnussen, Friedrich, 1971-07 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Richtig zu wachsen begann der heutige Stadtteil aber erst, als die Festung in preußischer Zeit ab 1865 zu einem bedeutenden Marinestützpunkt ausgebaut wurde. Westlich der alten Wälle entstand so der heutige Stadtteil, der 1875 bereits 811 Einwohner zählte – über zwei Drittel davon Marineangehörige. Für sie errichtete man eine Matrosen-Artillerie-Kaserne, ein Lazarett, eine Schule und mehrere holzverschalte Dienstwohngebäude. Die Kaserne stand bis 1977; dann wurde sie abgerissen. Über Jahrzehnte war Friedrichsort damit ganz auf die Marine ausgerichtet – ein Ort, der zur See blickte und vom Meer lebte.

1922 wurden Pries und das benachbarte Friedrichsort nach Kiel eingemeindet. Seither sind die beiden einst eigenständigen Orte mehr und mehr miteinander verschmolzen – heute ist kaum einem Einwohner noch bewusst, wo die alte Grenze einst verlief. Nur ein unscheinbarer Stein erinnert daran: Suchen Sie ihn in der Fußgängerzone, in der Friedrichsorter Straße nahe der Hecktstraße. Er markiert die Linie, an der früher zwei Ortsteile aufeinandertrafen.

Und das maritime Erbe ist bis heute überall greifbar. An der Friedrichsorter Enge, wo die Kieler Förde nur etwa 0,9 Kilometer breit ist, befindet sich seit 1815 ein Leuchtfeuer; der heutige, 31,7 Meter hohe Leuchtturm Friedrichsort ging am 29. Oktober 1971 in Betrieb. Gleich nebenan liegt die alte Festung, und nur ein Stück weiter erstreckt sich der Falckensteiner Strand mit seinen charakteristischen Dünen – der größte Strand Kiels. Festung, Leuchtturm und Strand: Friedrichsort trägt seine militärische und maritime Vergangenheit noch immer sichtbar in sich.

Wusstest du?
  • Historisches Festungsstädtchen am Westufer der Förde, über 400 Jahre alt
  • Name von „Prießorth“ über „Christianspries“ zu „Friedrichsort“ gewandelt