Gedenkrelief „Erste Salve“
Frei zugänglich
Es ist der 3. November 1918, und an dieser Stelle in der Brunswiker Feldstraße entscheidet sich für einen Moment der Lauf der deutschen Geschichte. Demonstrierende Matrosen und Arbeiter ziehen zur benachbarten Marine-Arrestanstalt – sie wollen ihre Kameraden befreien, die wegen Befehlsverweigerung vor Wilhelmshaven, dem geplanten letzten Flottenvorstoß, eingesperrt worden waren.
Den Demonstranten stellt sich eine Postenkette aus etwa dreißig Rekruten und Unteroffizieren entgegen. Der kommandierende Offizier Oskar Steinhäuser ermahnt die Menge, zurückzubleiben. Als sie dennoch weiter vordringt, gibt er den Feuerbefehl.
Schüsse fallen in die Menge. Steinhäuser selbst wird niedergeschlagen, ein Pistolenschuss trifft ihn in die Brust. Es ist der blutige Auftakt des Kieler Matrosenaufstands – jener Funke, aus dem am Ende des Ersten Weltkriegs die Novemberrevolution wird, die zum Sturz der Monarchie und zur Ausrufung der Republik in Deutschland führt.
An die Toten und Verletzten dieses Abends erinnert hier ein Bronzerelief: 1994 geschaffen vom Künstler Hilger Schmitz, der 1939 in Dessau geboren wurde und seit 1976 freischaffend arbeitet. Wer hier innehält, steht an einem der stillen Schlüsselorte der deutschen Demokratiegeschichte – dort, wo eine Protestbewegung in Kiel ihren ersten, tödlichen Widerstand erfuhr.
- Am 3. November 1918 hier sieben Tote und 29 Verletzte.
- Bronzerelief von Hilger Schmitz, 1994.