Hauptbahnhof Kiel
Frei zugänglich (Bahnhofshalle)
Wer in Kiel mit dem Zug ankommt, spürt sofort: Hier ist Endstation – im wörtlichen Sinn. Der Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof, an dem die Gleise enden, und er liegt direkt an der Förde; das Hafenareal mit den Anlegern für Fähren und Kreuzfahrtschiffe liegt gleich nebenan. Rund 37.000 Reisende und Besucher zählt man hier täglich – es ist der wichtigste Bahnhof der Landeshauptstadt, mitten im Stadtleben.


Dabei ist dieser Bau erst der jüngste in einer langen Reihe. Kiels allererster Bahnhof entstand zwischen 1843 und 1846 am Ziegelteich, rund 500 Meter nördlich des heutigen Standorts. Im Volksmund hieß die Station später schlicht „an der Klinke“. Doch die Stadt wuchs, der Kaiser entdeckte Kiel als Marinehafen – und der alte Bahnhof wurde zu klein. 1895 begann der Neubau nach Plänen des Architekten Ernst Schwartz, im repräsentativen Stil des Neobarock. Am 1. Juni 1899 wurde der westliche Teil feierlich eröffnet. Den alten Bahnhof riss man 1902 ab.

Damit der mächtige Neubau überhaupt Platz fand, musste zunächst das Kieler Stadtkloster weichen, ein Armenhaus am Sophienblatt. An seiner Stelle wuchs ein Backsteinbau mit Sandsteinverzierungen und imposanter Fensterfront empor. Sein Herzstück ist die dreischiffige Bahnsteighalle: 121 Meter lang, 55 Meter breit und rund 17 Meter hoch – ein gewaltiger Raum, der das Licht der Förde einfängt.

Die spannendste Geschichte aber spielt auf der Ostseite, der Hafenseite. Dort entstand für Kaiser Wilhelm II. ein eigener, exklusiver Bereich: die Fürstenzimmer. Für deren Ausgestaltung gab der Kaiser persönlich Direktiven – Vorbild sollte ausgerechnet die Innendekoration seiner Jacht „Hohenzollern“ sein. Und damit Seine Majestät auf kürzestem Weg vom Schiff in den Bahnhof gelangte, legte man die „Kaisertreppe“ an, kombiniert mit einer geschwungenen Auffahrt. Sie führte direkt zum Hafenbecken, wo die kaiserliche Jacht festgemacht war. Wenn Sie heute auf der Förde-Seite des Bahnhofs unterwegs sind, stehen Sie an genau jener Stelle, an der ein Kaiser einst von seiner Jacht in seinen Zug stieg.

Fertig war der Bahnhof mit alldem noch lange nicht. Erst bis 1911 dauerte die endgültige Fertigstellung des langgezogenen Westflügels und der Bahnsteighalle; am Ende standen acht Bahnsteiggleise zur Verfügung. Dann kam der Krieg. 1944 wurden der Hauptbahnhof und die prächtigen Nebengebäude bei einem schweren Bombenangriff schwer beschädigt. Ab 1950 baute man ihn wieder auf – allerdings in vereinfachter Form, ohne die volle alte Pracht. Erst die große Modernisierung von 1999 bis 2006, für rund 60 Millionen Euro, machte den roten Backsteinbau zu dem hellen, weiten Tor zur Stadt, durch das heute jeder Kiel-Besucher tritt.
- Wichtigster Bahnhof Schleswig-Holsteins; Kopfbahnhof direkt an der Förde
- Am 1. Juni 1899 eröffnet; Kiel hatte zuvor drei Vorgängerbahnhöfe