Geschichte

Hiroshimapark

25 MinDamperhof

Frei zugänglich

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Mitten in der Kieler Innenstadt, eingebettet zwischen Rathaus und Kleinem Kiel, liegt eine rund 16.000 Quadratmeter große Grünfläche, deren Name eine der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte in Erinnerung ruft: der Hiroshimapark im Stadtteil Damperhof. Wer hier unter den Bäumen sitzt, ahnt zunächst nichts von der wechselvollen Geschichte dieses Ortes – und gerade darin liegt seine stille Kraft.

Bismarckanlagen
Bismarckanlagen.Magnussen, Friedrich, 10.12.1957 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Angelegt wurde der Park 1934, damals zu Ehren des früheren Reichskanzlers Otto von Bismarck und unter dem Namen „Bismarckanlagen". Den Namen genehmigte der Kieler Polizeipräsident am 18. Mai 1934. Über ein halbes Jahrhundert blieb es dabei – bis die Kieler Ratsversammlung am 21. Mai 1987 einen bemerkenswerten Beschluss fasste: Sie benannte den Park in Hiroshimapark um, zur Erinnerung an den ersten Abwurf einer Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima am 6. August 1945. In diesem einen Namenswechsel spiegelt sich der Wandel der deutschen Erinnerungskultur – weg von der Heldenverehrung, hin zur Mahnung.

Diese Mahnung ist hier bis heute lebendig. Schon seit 1986, also noch vor der offiziellen Umbenennung, findet jedes Jahr am Abend des 6. August im Park eine Gedenkstunde statt. Getragen wird sie von einer Reihe Kieler Friedensinitiativen, von mehreren Ratsfraktionen und der Stadt Kiel selbst. Bei Einbruch der Dunkelheit setzen die Teilnehmenden selbstgefaltete Origami-Lotusblüten mit Teelichtern auf das Wasser des Kleinen Kiels – ein Bild von berührender Schlichtheit, das an die Opfer erinnert und vor den Gefahren von Atomwaffen mahnt.

Bismarckanlagen
Bismarckanlagen.Magnussen, Friedrich, 1971-06 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Den ältesten Zeugen dieses Wandels findet man am Rande des Parks, gegenüber dem Opernhaus: das Bismarck-Denkmal, geschaffen 1897 vom Bildhauer Harro Magnussen. Doch an seinem ursprünglichen Standort stand das Denkmal nur zehn Jahre, denn 1907 stand es dem Neubau des Theaters im Weg – also versetzte man es wenige Meter an seinen heutigen Platz. So überdauerte die Figur des „Eisernen Kanzlers" alle Namenswechsel des Parks, der sich um sie herum wandelte.

Bismarckanlagen
Bismarckanlagen.Magnussen, Friedrich, 1971-06 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Heute ist der Park ein Ort des Gedenkens und der Kunst zugleich. In seiner nördlichen Ecke wurde im Mai 1997 ein Gedenkstein für die schleswig-holsteinischen Sinti und Roma errichtet, die dem Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Verstreut stehen weitere Werke: „Lebensweg" von Christoph Ruhz (1984), der „Gebrochene Steinkreis" von Dieter Koswig (1978) und eine Skulptur aus Anröchter Dolomit von Johannes Michler (1983).

Das eigentliche Herz des Parks aber sprudelt seit 2004: der Brunnen „Changing Invisibility" des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Vier Wasserwände bilden ein Spiel, das bis zu rund zweieinhalb Meter hoch aufsteigt. Nähert sich von einer der vier Seiten ein Mensch, reagieren Lichtschranken: Dort stoppt der Wasserfluss, die Wand fällt in sich zusammen und gibt den Weg ins Innere frei. Nach einiger Zeit schließt sie sich wieder und erreicht ihre volle Höhe. So ändert das kühle Spiel aus stürzenden und steigenden Wänden ständig sein Aussehen. An warmen Tagen ist es eine Einladung, einfach hindurchzulaufen.

Wusstest du?
  • Rund 16.000 m² große Grünfläche zwischen Rathaus und Kleinem Kiel
  • 1934 als „Bismarckanlagen“ angelegt, 1987 in Hiroshimapark umbenannt