Geschichte

Kieler Kloster

40 MinAltstadt

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Mitten in der Kieler Altstadt, ein paar Schritte abseits des Trubels, steht eines der ältesten Gebäude der Stadt – ein Ort, der fast 800 Jahre Geschichte in sich trägt und doch leicht zu übersehen ist. Das Kieler Kloster wurde im Jahr 1242 von Adolf IV. von Schauenburg gestiftet, jenem Schauenburger, der wenige Jahre zuvor, 1227, die Stadt Kiel selbst gegründet hatte. Es gehörte dem Franziskanerorden an – und Adolfs eigene Geschichte ist beinahe ein Roman: Er legte seine weltliche Macht ab, lebte ab 1245 selbst im Kloster und starb hier 1261. Er wurde in der Klosterkirche beigesetzt. Sein Grabstein konnte nach der späteren Zerstörung der Kirche geborgen werden und befindet sich heute im erhaltenen Kreuzgang – ein stiller Zeuge dieses ungewöhnlichen Lebens.

Die zugehörige Klosterkirche war eine kleine, dreischiffige Kirche von etwa dreißig Metern Länge. Mit der Reformation kam der Bruch: Am 13. Oktober 1530 wurde das Kloster aufgelöst. 1546 zog stattdessen das Heiliggeist-Hospital ein, ein Armen- und Siechenhaus – und seit 1562 trug die Kirche den Namen Heiligengeistkirche.

Kiel - Klosterkirchhof
Kiel - Klosterkirchhof.Rahn, Carl (Kiel), between 1879 and 1880 · CC BY-SA 4.0 · Quelle

Auch die Bildung schrieb hier Geschichte: 1665 wurde das Kloster zur Gründungsstätte der Kieler Universität. Bis 1766 lernten und forschten Studenten in diesen Mauern, ehe die Universität in das benachbarte Schloss umzog, weil die Räumlichkeiten in so schlechtem Zustand waren.

Dann kam der Krieg. Am 13. Dezember 1943 zerstörten zwei Sprengbomben die Heiligengeistkirche weitgehend; die Reste wurden 1947 abgetragen. Erhalten blieben nur ein Teil des Kreuzgangs, das mittelalterliche Gewölbe samt Refektorium und der Turm. 1984 förderten Ausgrabungen in den Fundamenten der einstigen Klosterkirche zahlreiche mittelalterliche Gruften zutage – einige von ihnen waren sogar ausgemalt, ein seltener Blick in die Welt des Mittelalters direkt unter unseren Füßen.

Kiel - Klosterkirchhof
Kiel - Klosterkirchhof.Rahn, Carl (Kiel), between 1879 and 1880 · CC BY-SA 4.0 · Quelle

Heute ist der wiederhergestellte Ort kein Museum im klassischen Sinn, sondern ein lebendiger Raum für Begegnungen, Ausstellungen und Konzerte. Sein klingendes Wahrzeichen hängt oben im wiederaufgebauten Turm: 1999 wurde dort ein Carillon eingebaut, ein Konzert-Glockenspiel aus gestifteten Mitteln. Es umfasst 50 Bronzeglocken – mit der Erweiterung von 2005 um fünf Glocken im oberen Tonbereich erreichte es volle vier chromatische Oktaven. Die schwerste Glocke wiegt rund 620 Kilogramm, das Ganze über vier Tonnen. Eine einzige Glocke ist älter als alle anderen: Sie wurde 1928 gegossen und hat als einzige den Krieg im Turm der Klosterkirche hängend überdauert. Wer mittags, um 15 oder um 18 Uhr vorbeikommt, hört das Glockenspiel automatisch erklingen.

Im Klostergarten, neben dem Eingang zum einstigen Kreuzgang, steht die Granitskulptur „Der Schmerzensmann“ von Jörg Plickat, 1989 geschaffen. Und seit 2005 erinnert ein bronzenes Denkmal von Karl-Henning Seemann an den Stadtgründer Adolf IV. – wie er die Ritterrüstung ablegt und sich zugleich die Mönchskutte überstreift, beide Seiten seines Lebens in einer Figur vereint. So bleibt das Kieler Kloster ein stiller, geschichtsträchtiger Ort, an dem Gründung, Glaube, Krieg und Neuanfang dicht beieinanderliegen.

Wusstest du?
  • Eines der ältesten Bauwerke Kiels; ursprünglich ein Franziskanerkloster aus dem 13. Jahrhundert
  • Stadtgründer Adolf IV. lebte hier als Mönch; sein Grabstein von 1261 ist im Kreuzgang