Kiellinie
Frei zugänglich
Wer an der Seeburg, hinter dem Ostseekai, auf die Uferpromenade tritt, steht am südlichen Anfang der Kiellinie – rund drei Kilometer Weg am Westufer der Förde, durch die Stadtteile Düsternbrook und Wik. Die teils sehr breite Promenade ist beliebt bei Spaziergängern, Radfahrern, Joggern und Inline-Skatern. Zur einen Seite das Wasser, zur anderen die Stadt. Doch der freundliche Name verbirgt eine politische Geschichte.

Begonnen hatte alles mit einem Strandweg. Von 1910 bis 1926 wurde das Ufer mit einer Schwergewichtswand befestigt; die südlichsten rund 200 Meter der heutigen Kiellinie nahe der Kunsthalle gibt es schon seit 1910. Am 7. April 1933 wurde der Strandweg zu Ehren von Paul von Hindenburg in „Hindenburgufer" umbenannt, am 30. Januar 1936 dehnte sich der Name nach Norden aus.

Dann kam Olympia. Man wollte nicht, dass die internationalen Gäste zu den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele 1972 ausgerechnet am „Hindenburgufer" flanieren mussten. So schlug die SPD-Ratsfrau Rosa Wallbaum am 20. Januar 1972 spontan in der Ratsversammlung den neuen Namen „Kiellinie" vor – und setzte sich in der Abstimmung gegen die Vorschläge „Kieler Kante" und „Langer Törn" durch. Umbenannt wurde damals aber nur der Teil zwischen der Seeburg und dem Sporthafen Düsternbrook. Der nördliche Abschnitt blieb Hindenburgufer. Erst seit einem Beschluss der Ratsversammlung vom 16. Januar 2014 trägt die ganze Promenade den Namen Kiellinie.

Heute ist die Kiellinie das maritime Herz der Stadt. Landseitig liegen Bootshäuser und Forschungseinrichtungen von Rang: das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und das Institut für Weltwirtschaft. Dazwischen gibt es zahlreiche Cafés, Restaurants und Stände, an denen Fischbrötchen, Eis und Getränke angeboten werden. Zur Wasserseite blickt man frei über die Förde – auf einlaufende Schiffe und die Fähren, die nach Oslo und Göteborg ablegen. Am Sporthafen Düsternbrook, dem heutigen „Alten Olympiahafen 1936", wurden die olympischen Segelwettkämpfe am 3. August 1936 eröffnet; ein Yachthafen trägt bis heute die olympischen Ringe von 1936.

Der wohl charmanteste Halt liegt am Aquarium GEOMAR. Das Außengehege der Seehunde liegt an der Wasserseite des Instituts direkt an der Kiellinie, außerhalb des Gebäudes, und ist für Besucher frei zugänglich. Hinter einer hüfthohen Mauer mit aufgesetzter Glaswand lassen sich die Tiere rund um die Uhr beobachten; wer mag, steigt von der Promenade aus ein paar Treppenstufen unter den Wasserspiegel und sieht die Robben durch eine Glasscheibe im Wasser schwimmen. Am 10. Mai 1972 bezogen die beiden ersten Seehunde das neu gebaute Becken. Aktuell leben hier vier Tiere – Findus, Krümel, Sally und Luna –, gefüttert wird zweimal täglich öffentlich.
Am lebhaftesten ist die Kiellinie zur Kieler Woche im Juni, wenn sich am Ufer der Trubel drängt. Aber auch an einem stillen Wintermorgen lohnt der Weg: der Blick über die Förde – und das Wissen, dass selbst der Name dieser Promenade einmal Verhandlungssache war.
- Rund drei Kilometer lange Uferpromenade am Westufer der Kieler Förde in Düsternbrook und Wik
- Hieß ab 1933 Hindenburgufer; der Name Kiellinie entstand 1972 für die olympischen Segelwettbewerbe