Klaus-Groth-Brunnen
Frei zugänglich
Im Ratsdienergarten unweit des Lorentzendamms, am Kleinen Kiel, sitzt ein Mann in Bronze und schaut übers Wasser: Klaus Groth, der Dichter, der dem Niederdeutschen literarische Würde verschaffte. 1819 im holsteinischen Heide geboren, brachte er 1852 seinen plattdeutschen Gedichtband „Quickborn" heraus und gilt gemeinsam mit Fritz Reuter als einer der Begründer der neueren niederdeutschen Literatur. Kiel wurde seine Heimat: Hier trug er den Professorentitel für deutsche Sprache und Literatur, und zu seinem 80. Geburtstag verliehen ihm die Städte Kiel und Heide das Ehrenbürgerrecht. Am 1. Juni 1899 starb er in Kiel.
Den Brunnen schuf der Bildhauer Heinrich Mißfeldt – sein Hauptwerk. Ein Verschönerungsverein hatte einen repräsentativen Brunnen geplant; auf Empfehlung von Bürgermeister Paul Fuß verband man das Vorhaben mit einem Groth-Denkmal. 1912 wurde die rund 13,5 Meter breite und 4,5 Meter hohe Anlage eingeweiht – im selben Jahr wie der Schwertträgerbrunnen vor dem neu erbauten Rathaus. Die überlebensgroße Bronzestatue des Dichters wird von sechs Reliefs aus Muschelkalk gerahmt, mit Szenen aus seinen Werken sowie den Wappen der Städte Kiel und Heide.
Doch die Figur hat eine Odyssee hinter sich. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bronze demontiert und sollte zu Rüstungszwecken eingeschmolzen werden. Erst im Mai 1949 spürte ein Journalist sie auf einem Schrottplatz der Wilhelmsburger Zinnwerke in Hamburg auf – katalogisiert als nüchternes „Großer Zivilist No. 457". Die Stadt Kiel kaufte den Dichter zum Materialwert von 801,90 DM zurück und enthüllte ihn im Juni 1949 feierlich an seinem alten Standort.
- Von Heinrich Missfeldt, 1912.
- Die Bronze wurde 1949 auf einem Hamburger Schrottplatz wiedergefunden.