Landeshaus (Schleswig-Holsteinischer Landtag)
Von außen frei zugänglich; Besuche und Führungen über den Landtag
Direkt am Westufer der Kieler Förde steht ein dreistöckiger Backsteinbau, der wie ein Stück Marinegeschichte in Stein wirkt – und genau das ist er. Errichtet wurde das Haus 1888 für die Kaiserliche Marine: Hier war die Marineakademie untergebracht, an der angehende Seeoffiziere ihre höhere Ausbildung erhielten; im Volksmund hieß der prächtige Bau auch „Marinepalast“. Von 1919 bis 1945 diente er als Sitz des kommandierenden Admirals der Marinestation der Ostsee, in der NS-Zeit zudem als Sitz des Marineoberkommandos Ost. Über mehr als ein halbes Jahrhundert war dieses Ufer damit fest in der Hand der Marine.
Der Zweite Weltkrieg traf das Gebäude hart: Die oberste Etage wurde durch die schweren Luftangriffe auf Kiel zerstört. Schon im Herbst 1946 entstand der Plan, dem ausgebrannten Marinegebäude eine neue, friedliche Aufgabe zu geben. Am 3. Mai 1950 zog der Schleswig-Holsteinische Landtag ein; Landtagspräsident Karl Ratz hatte das umgebaute Haus tags zuvor der Öffentlichkeit präsentiert. Aus dem ehemaligen Militärbau war ein Haus der Demokratie geworden.

Ein liebenswertes Kuriosum aus jenen Jahren ist bis heute in Betrieb: Seit 1950 fährt im Landeshaus ein – inzwischen selten gewordener – Paternosteraufzug. Das markanteste Zeichen der jüngeren Geschichte aber ist der gläserne Plenarsaal. Nach einem Entwurf der Hannoveraner Architekten Anja Brüning und Wolfgang-Michael Pax begann sein Bau am 1. Februar 2001; im März 2003 war er fertig, und am 2. April 2003 tagte das Parlament erstmals darin. Die rund 21,5 Millionen Euro teure Sanierung des Hauses zog sich bis 2004, ehe das Landeshaus am 11. Juni 2004 an Landtagspräsident Heinz-Werner Arens übergeben wurde. Der durchsichtige Saal ist als bewusstes Sinnbild gedacht – für eine transparente Demokratie und zugleich als Erinnerung an die maritime Vergangenheit des Ortes.
Wer hier an der Förde steht, blickt damit auf ein Gebäude, das die Brüche der deutschen Geschichte in sich bündelt: kaiserliche Flottenträume, Krieg und Zerstörung, demokratischer Neuanfang – und heute der Ort, an dem über die Zukunft Schleswig-Holsteins entschieden wird.
- 1888 für die Kaiserliche Marine errichtet; hier war die Marineakademie untergebracht.
- 1919–1945 Sitz des kommandierenden Admirals der Marinestation der Ostsee, in der NS-Zeit des Marineoberkommandos Ost.