Geschichte

Mahnmal Kieler Matrosenaufstand

5 MinAltstadt

Frei zugänglich

Erzählung wird geladen

Mitten im Ratsdienergarten am Jensendamm in der Kieler Altstadt ragen drei rund sechs Meter hohe, schräg stehende Stahlträger auf, die im oberen Bereich jeweils von einer schweren Granitsäule durchdrungen werden – rostrot der Stahl, schwer und massiv der Granit. „WIK – Feuer aus den Kesseln" heißt das Mahnmal des Hannoveraner Künstlers Hans-Jürgen Breuste (1933–2012), der es ab 1978 als Auftragsarbeit für die Stadt schuf und das am 16. Juni 1982 eingeweiht wurde. In einen der Stahlträger ist ein Vers eingelassen, der als Motto über Ernst Tollers Drama „Feuer aus den Kesseln" steht: „Der die Pfade bereitet, stirbt an der Schwelle, doch es neigt sich vor ihm in Ehrfurcht der Tod."

Woran erinnert das alles? Ende Oktober 1918 sollte die kriegsmüde Hochseeflotte zu einem letzten Vorstoß gegen die britische Marine auslaufen – die Matrosen verweigerten den Befehl. Die Unruhe trug sich nach Kiel, und am 3. November zogen Tausende zur Demonstration. Soldaten schossen; sieben Männer starben sofort, zwei weitere später an ihren schweren Verletzungen. Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten: Aus Kiel breitete sich die Novemberrevolution über das ganze Reich aus, bis sich wenige Tage später alle Bundesfürsten einschließlich Kaiser Wilhelms II. zur Abdankung gezwungen sahen. Dass Breustes Mahnmal überhaupt entstand, war umstritten – öffentlich wurde gestritten, ob man Matrosen als „Befehlsverweigerer und Meuterer" ehren dürfe; die CDU-Fraktion blieb der Einweihung demonstrativ fern. Heute steht das Denkmal als stiller Zeuge dafür, dass hier in Kiel der Umsturz begann, der das Reich zur Republik machte.

Wusstest du?
  • 1978–1982 von Hans-Jürgen Breuste aus Granit und Stahl geschaffen, rund 6 m hoch.
  • Kiel gilt als Geburtsort der Novemberrevolution 1918.