Geschichte

Marine-Ehrenmal Laboe & U 995

120 MinLaboe (Umland)

Eintritt kostenpflichtig (Ehrenmal + U 995); Öffnungszeiten saisonal [pruefen]

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Wo die Kieler Förde in die offene Ostsee übergeht, am Ostufer in Laboe, steht ein Backsteinturm, der von Weitem aussieht wie der Bug eines Schiffes oder das Heck eines Wikingerbootes, das sich aus der Erde hebt. Doch der Architekt Gustav August Munzer wollte gerade kein Schiff darstellen: Sein Bauwerk sollte sich, fest mit Erde und See verwurzelt, gen Himmel recken "wie eine Flamme". 72 Meter ragt der Turm über den Boden, 85 Meter über den Meeresspiegel – ein Mal, das man schon von der Förde aus erkennt, lange bevor man es betritt.

U-995 Marineehrenmal Laboe
U-995 Marineehrenmal Laboe.Darkone, 2004-05-01 · CC BY-SA 2.5 · Quelle

Die Idee zu diesem Ehrenmal entstand 1925, der Grundstein wurde am 8. August 1927 gelegt. Eingeweiht wurde der Turm am 30. Mai 1936 – im Beisein Adolf Hitlers, in einer Zeit also, die das Gedenken für sich vereinnahmte. Ursprünglich sollte er der im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Marinesoldaten gedenken. Doch die Geschichte des Mals ist auch eine Geschichte des Umdeutens: Am 30. Mai 1954 wurde es neu gewidmet – dem Gedenken aller toten deutschen Seefahrer beider Weltkriege und der toten Gegner. Seit 1996 versteht es sich als Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen und als Mahnmal für eine friedliche Seefahrt. Getragen wird die Anlage seit 1954 vom Deutschen Marinebund.

Im Inneren führen 341 Stufen – oder, bequemer, zwei Aufzüge – hinauf zur Aussichtsplattform. Von dort schweift der Blick über die Förde, die Schiffe, die Küste und das offene Meer. Unter dem Turm liegt eine unterirdische Gedenkstätte, in der Gedenkbücher mit den Namen gefallener Seeleute aufbewahrt werden, und in der historischen Halle erzählt eine Ausstellung mit Marine-Exponaten und Schiffsmodellen von der deutschen Marinegeschichte bis in die Gegenwart.

U995 2004 1
U995 2004 1.Darkone, 2004-05-01 · CC BY-SA 2.0 · Quelle

Das vielleicht Eindrücklichste aber liegt unten am Strand, gleich vor dem Turm: das U-Boot U 995. Es ist ein echtes Original aus dem Zweiten Weltkrieg, ein Boot vom Typ VII C/41 – jenem Typ, der die Schlacht im Atlantik prägte. Gebaut bei Blohm & Voss in Hamburg, wurde es am 16. September 1943 in Dienst gestellt. Sein letzter Kommandant, der am 10. Oktober 1944 das Kommando übernahm, war erst 21 Jahre alt: Oberleutnant zur See Hans-Georg Hess. Nach dem Krieg fiel das Boot an Norwegen, fuhr dort ab 1952 als "Kaura" und wurde 1965 ausgemustert. Am 15. Oktober 1965 gab Norwegen es für den symbolischen Betrag von einer einzigen Deutschen Mark an Deutschland zurück. Seit dem 13. März 1972 liegt U 995 als Museumsschiff am Fuß des Ehrenmals.

Wer hineinsteigt, taucht buchstäblich in die Enge ein: gut 67 Meter lang, kaum mehr als sechs Meter breit, einst Heimat für rund 45 bis 50 Mann. Zwischen Maschinen, Ventilen und schmalen Kojen wird greifbar, wie beklemmend das Leben unter Wasser war. Turm und Boot zusammen erzählen so dieselbe Geschichte aus zwei Richtungen: vom Meer als Sehnsuchtsort – und als Ort, an dem unzählige nie zurückkamen.

Wusstest du?
  • Rund 72 m hoher Backsteinturm an der Förde-Mündung, eingeweiht 1936
  • Seit 1954 den auf See gebliebenen Seeleuten aller Nationen gewidmet