Geschichte

Nikolaikirche (St. Nikolai)

30 MinAltstadt

Eintritt frei (offene Kirche)

Erzählung wird geladen

Wer am Alten Markt steht und zur Nikolaikirche aufblickt, blickt zugleich in die Geburtsstunde Kiels. Denn dieses Bauwerk ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt – mit seinem Bau wurde um 1242 begonnen, nur wenige Jahre nach der Stadtgründung durch Adolf IV. von Schauenburg und Holstein. Während die Kaufmannssiedlung an der Förde wuchs, wuchs auch ihre Kirche: Rund hundert Jahre später baute man den gotischen Hallenbau nach dem Vorbild der Lübecker Petrikirche zu einer mächtigen Backsteinhallenkirche um, mit einem dreischiffigen, fast quadratischen Langhaus und einem langen Chor.

Nikolaikirche am Markt
Nikolaikirche am Markt.Otto Spörke, Stadtarchiv Kiel, um 1920 · gemeinfrei · Quelle
Innenraum mit Chor
Innenraum mit Chor.Gotthold Sommer, Stadtarchiv Kiel, um 1938 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Doch St. Nikolai hat in ihrer Geschichte immer wieder mit dem Feuer gerungen. 1486 schlug der Blitz ein, und die Kirche brannte ab – man baute sie wieder auf. In den Jahren 1877 bis 1884 erhielt sie eine neugotische Umgestaltung und wurde mit maschinell gefertigten Ziegeln verblendet. Die größte Katastrophe aber kam aus der Luft: Am 22. Mai 1944 traf ein alliierter Luftangriff die Kirche schwer. Der brennende Turmhelm und der Dachstuhl stürzten ein und durchschlugen die Gewölbe. Was Sie heute betreten, ist deshalb zu großen Teilen ein Bauwerk des Wiederaufbaus. Architekt Gerhard Langmaack errichtete St. Nikolai ab 1950 in neuzeitlichen Formen – mit Betonpfeilern und einer Stahlbetondecke statt der alten Gewölbe und mit einem schlichten Satteldach, das alle drei Schiffe zusammenfasst. So erklärt sich der Kontrast, der viele Besucher überrascht: außen mittelalterlicher Backstein, innen ein heller, klarer Raum.

Schnitzaltar mit Triumphkreuz
Schnitzaltar mit Triumphkreuz.Gotthold Sommer, Stadtarchiv Kiel, 1940 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Trotzdem ist die Kirche ein Schatzhaus geblieben, denn viele Kunstwerke wurden vor dem Krieg geborgen und kehrten zurück. Das bronzene Taufbecken stammt aus dem Jahr 1344 und ist damit älter als das heutige Mauerwerk ringsum. Hinzu kommen der Erzväteraltar um 1460, ein Triumphkreuz um 1490 und eine barocke Holzkanzel von 1705. Hoch oben hängt das schwerste und tontiefste Geläut der Stadt: Seine größte Glocke, die Auferstehungsglocke mit dem Ton g° und einem Gewicht von rund 5.800 Kilogramm, ist sogar die schwerste Glocke in ganz Schleswig-Holstein.

Orgel im Hohen Chor
Orgel im Hohen Chor.Friedrich Magnussen, Stadtarchiv Kiel, 1965 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Die berühmteste Figur von St. Nikolai aber steht draußen, an der Ecke zum Alten Markt: der „Geistkämpfer“ von Ernst Barlach. Die Bronzeplastik zeigt einen schwerttragenden Engel, der auf einem wolfsähnlichen Wesen steht – ein Bild für die Erhabenheit und den Sieg des Geistes über das Böse. Es war Barlachs erste Großplastik, 1928 ursprünglich an der Heiligengeistkirche enthüllt. Die Geschichte hätte beinahe ein tragisches Ende genommen: 1937 entfernten die Nationalsozialisten die Figur als „entartete Kunst“. Vor dem Einschmelzen gerettet, überdauerte sie versteckt im Atelier von Barlachs Freund Hugo Körtzinger im niedersächsischen Schnega. Erst am 19. Juni 1954 kehrte der „Geistkämpfer“ zurück und fand seinen Platz vor der Nikolaikirche – wo er seither wacht, als hätte er den Kampf gegen die Dunkelheit selbst überstanden.

Wusstest du?
  • Ältestes erhaltenes Gebäude Kiels, begonnen um 1242
  • Backsteinhallenkirche nach dem Vorbild der Lübecker Petrikirche