Maritim

Olympiazentrum Schilksee

60 MinSchilksee

Gelände frei zugänglich; einzelne Veranstaltungen/Hafendienste kostenpflichtig

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Wer am Westufer der Kieler Förde steht, wo die Steilküste von Schilksee zum Wasser abfällt, blickt auf ein Bauwerk, das aussieht, als sei es selbst ein Stück Küste: ein langgestreckter, in sich gestaffelter Terrassenbau, der zum Land hin abtreppt. Das ist das Olympiazentrum Kiel-Schilksee – und sein Kernbau trägt einen Namen, der nach Segeln klingt: der „Fliegende Holländer".

Errichtet wurde die Anlage zwischen 1969 und 1972, eigens für die Olympischen Sommerspiele 1972. Während die meisten Wettkämpfe in München stattfanden, kamen die Segler nach Kiel. Auf dem Sporthafen des einstigen Fischerortes Schilksee, der erst 1959 nach Kiel eingemeindet worden war, entstand der Komplex nach den Plänen von Hinrich Storch und Walter Ehlers, die als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen waren. Geplant war von vornherein die spätere Nutzung: Appartements, eine Schwimmhalle, eine Mehrzweckhalle, eine Ladenzeile und eine Zuschauertribüne.

Olympiazentrum Schilksee
Olympiazentrum Schilksee.Friedrich Magnussen, Stadtarchiv Kiel, 1972 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Das gestalterische Motiv war die Steilküste selbst, die der Bau aufgreift und fortführt. Der Sockel aus dunklerem Schalbeton wirkt schwer, darüber heben sich die helleren Obergeschosse aus Waschbeton ab – aufgeständert auf Betonstützen, sodass der obere Bauteil über dem Sockel zu schweben scheint. An drei Stellen drehen sich die hellfarbigen Windspiele „Windflügel" des japanischen Künstlers Tomitaro Nachi. Für die Außenanlagen sorgte der Landschaftsarchitekt Rolf Ehlgötz aus Bad Gandersheim.

Die Architektur folgt einer bewusst demokratischen Haltung und vermeidet jede symmetrische und axiale Struktur. Im Hintergrund stand die dunkle Erinnerung an die deutsche Olympiade von 1936, die von den Nationalsozialisten für ihre Propagandazwecke benutzt worden war – 1972 sollte ein anderes, weltoffenes Deutschlandbild entstehen.

Olympiahafen im Bau
Olympiahafen im Bau.Friedrich Magnussen, Stadtarchiv Kiel, 1971 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Die olympischen Wettkämpfe in Schilksee wurden am 28. August 1972 eröffnet. 320 Segler mit 153 Booten aus 42 Nationen gingen in sechs Bootsklassen an den Start – Soling, Drachen, Tempest, Star, Flying Dutchman und Finn –, während die Regatten selbst weit draußen auf der Kieler Förde ausgetragen wurden. 250 Journalisten aus 20 Nationen berichteten. Einen besonderen Höhepunkt bildete die Windjammerparade am 3. September: Fast eine halbe Million Menschen säumte die Förde.

Auch die Stadt veränderte sich für die Spiele: Eine zweite Hochbrücke entstand, ein Zentraler Busbahnhof und neue Straßen wie die B 503.

Heute ist das Olympiazentrum ein Kulturdenkmal, dessen Modellcharakter schon 1974 mit einer Belobigung im Rahmen des BDA-Preises gewürdigt wurde. Der Olympiahafen mit 860 Liegeplätzen im Wasser und 400 an Land zählt zu den größten an der deutschen Ostseeküste und ist bis heute Schauplatz der Segelwettbewerbe der Kieler Woche.

Wusstest du?
  • Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe 1972 (die übrigen Spiele fanden in München statt)
  • Von 1968 bis 1972 auf dem Gelände eines ehemaligen Marinedepots errichtet, rund 285.000 m² groß