Geschichte

Platz der Kieler Matrosen

5 MinVorstadt

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Wer in Kiel aus dem Zug steigt, steht fast unweigerlich an einem der ersten Erinnerungsorte der Revolution von 1918 – auch wenn die meisten achtlos vorbeieilen. Der östliche Teil des Bahnhofsplatzes heißt seit 2011 „Platz der Kieler Matrosen". Die Ratsversammlung beschloss den Namen am 20. Januar 2011, und am 17. Juni 2011 benannte Oberbürgermeister Torsten Albig den Platz offiziell um.

Der Name erinnert an jene Tage, in denen in Kiel Weltgeschichte begann. Ende Oktober 1918 sollte die Hochseeflotte ein letztes Mal gegen die weit überlegene britische Grand Fleet auslaufen – in den Augen der Matrosen eine sinnlose Opferung von Menschenleben, kurz vor einem ohnehin verlorenen Krieg. Mehrere Schlachtschiff-Besatzungen verweigerten den Befehl. Als Anführer verhaftet wurden, gingen am 3. November 1918 Matrosen, Soldaten und Arbeiter gemeinsam auf die Straße, um ihre Kameraden freizupressen. Sie stießen auf Einheiten, die weiter den Befehlen der Marineleitung folgten; der kommandierende Offizier gab den Feuerbefehl. Sieben Menschen starben sofort, zwei weitere später an ihren schweren Verletzungen, 31 Verletzte wurden aktenkundig. Doch der Aufstand war nicht mehr aufzuhalten.

Schon am 4. November bildeten sich Soldaten- und Arbeiterräte; erster Vorsitzender des Soldatenrats wurde Karl Artelt. Von Kiel aus sprang der Funke über: Die Novemberrevolution erfasste das ganze Reich, stürzte die Monarchie und ebnete den Weg in die Republik.

Seit dem 1. November 2013 erinnert eine Infostele auf dem Platz an diese Ereignisse. Sie macht aus einem alltäglichen Bahnhofsvorplatz einen stillen Geschichtsort – mitten im Strom der Reisenden, die kaum ahnen, was hier seinen Anfang nahm.

Wusstest du?
  • Am 17. Juni 2011 benannt.
  • Infostele zum Matrosenaufstand seit dem 1. November 2013.