Schleuse Kiel-Holtenau
Aussichtsplattform: Erwachsene 1 €, Kinder/Schüler/Studierende 0,50 €
Stell dich an die Brüstung der Aussichtsplattform und schau hinunter: Unter dir liegt das Ostseeende des Nord-Ostsee-Kanals – die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Knapp 30.000 Schiffe passieren ihn Jahr für Jahr; 2023 waren es 26.659. Sie alle nehmen hier eine Abkürzung: Statt um die Kimbrische Halbinsel, also um Jütland durch Nordsee, Skagerrak und Kattegat herumzufahren, durchqueren sie auf rund 98 Kilometern Schleswig-Holstein und sparen so im Schnitt 250 Seemeilen – rund 460 Kilometer.
Damit ein Schiff überhaupt vom Salzwasser der Kieler Förde in den Kanal gelangt, muss es geschleust werden. Den Höhenunterschied, den die Kammern dabei ausgleichen, würde man kaum erraten: Im Mittel sind es nur etwa 40 Zentimeter.

Die Geschichte dieses Ortes beginnt am 3. Juni 1887, als Kaiser Wilhelm I. hier in Kiel-Holtenau den Grundstein legte. Bis zu 8900 Arbeiter bewegten in acht Jahren Bauzeit rund 80 Millionen Kubikmeter Erdreich; 156 Millionen Mark kostete das Jahrhundertwerk. Am 20. Juni 1895 eröffnete dann Kaiser Wilhelm II. den Kanal und gab ihm tags darauf den Namen seines Großvaters: Kaiser-Wilhelm-Kanal. Erst 1948 wurde daraus der heutige Nord-Ostsee-Kanal.
Vor dir liegen zwei Schleusenpaare. Die Kleinen Schleusen gingen schon 1895 mit dem Kanal in Betrieb, jede Kammer 125 Meter lang und 22 Meter breit. Doch der Schiffsverkehr wuchs, und so kamen 1914 die Großen Schleusen hinzu – mit 310 Metern Länge und 42 Metern Breite gewaltige Bauwerke, die bis heute den Hauptverkehr tragen. Die alten Kleinen Schleusen mussten seit Juni 2014 wegen größerer Schäden außer Betrieb gehen; seit 2022 entsteht an ihrer Stelle ein Neubau, veranschlagt auf 240 bis 285 Millionen Euro.

Jetzt das Beste: das Schauspiel selbst. Beobachte, wie ein kleines Segelboot Bordwand an Bordwand neben einem großen Fracht- oder Kreuzfahrtschiff in dieselbe Kammer einläuft, wie sich die mächtigen Schleusentore öffnen und schließen und das Wasser steigt oder fällt. Aus dieser Nähe bekommst du das selten zu sehen.
Und der Platz, auf dem du stehst, hat selbst eine Geschichte. Die Plattform sitzt auf einem Torbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der genau die Schleusentorkammer Nr. 4 überdacht – ein massives Stück militärischer Vergangenheit, heute Aussichtspunkt für jedermann. Sie liegt auf der Südseite des Kanals im Stadtteil Wik und ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich; zahlreiche Infotafeln erklären Geschichte und Technik. Wer Glück hat, blickt von hier zugleich hinüber zur Holtenauer Hochbrücke – und versteht mit einem Mal, warum dieser unscheinbare Wasserstreifen die Weltschifffahrt verändert hat.
- Ostseeende des Nord-Ostsee-Kanals, der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt
- Kleine Schleusen seit 1895 (125 × 22 m), Große Schleusen seit 1914 (310 × 42 m)