Natur

Schrevenpark

45 MinSchreventeich

Frei zugänglich

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Wer durch eines der Tore in den Schrevenpark tritt, lässt die Stadt mit wenigen Schritten hinter sich. Das Herzstück der rund zwölf Hektar großen Anlage ist sofort zu sehen: der Schreventeich. Dieses Gewässer ist viel älter als der Park ringsum. Es ist eiszeitlichen Ursprungs, lag lange westlich der Kieler Innenstadt und war ursprünglich ungefähr doppelt so groß wie heute – es reichte einst bis in die Gegend des heutigen Knooper Wegs.

Sein Name verrät seine Herkunft. Im Plattdeutschen sprach man von „’s Greven Diek“, also „des Grafen Teich“. Aus dieser Wendung wurde mit der Zeit das hochdeutsche „Schreventeich“ – Gustav Adolf von Varendorf schrieb diese verhochdeutschte Form bereits auf seine Karte von 1796. Auf der Varendorfschen Karte (1789–1796) ist das Gewässer westlich von Brunswik eingezeichnet. Mit Vertrag vom 12. Februar 1862 kaufte die Stadt den Teich vom dänischen König.

Am Schreventeich
Am Schreventeich.Unknown author Unknown author, um 1938 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Jetzt kommt das Verblüffende: Der Schreventeich ist heute das wärmste Gewässer in Kiel und friert nur noch sehr selten zu. Der Grund liegt nicht weit entfernt. Sein Wasser dient dem Kraftwerk Humboldtstraße als Kühlwasser. Seit 1985 lässt eine Wasserkaskade am Südostende das Kraftwerkswasser, mit Sauerstoff angereichert, zurück in den Teich gelangen. Wenn andernorts in Kiel das Eis knackt, bleibt es hier offen – ein kleines technisches Detail mitten in der Natur.

Der Park selbst ist jünger. In den Jahren 1900 bis 1902 ließ ihn der Stadtgartenbaudirektor Ferdinand Hurtzig (1872–1939) anlegen, und am 26. Juli 1902 wurde er der Öffentlichkeit übergeben. Nach einem Aufruf wechselten mehr als hundert große Bäume aus Kieler Privatgärten in den neuen Park – ein Grund, warum schon die junge Anlage mit stattlichem Baumbestand glänzte. Bis heute ist hier ein interessanter, rund hundertjähriger Baumbestand erhalten, darunter Besonderheiten wie die Persische Eiche und die Schlitzblättrige Buche. Im Herbst, wenn sich das Laub dieser außereuropäischen Arten besonders bunt färbt, lohnt sich der Spaziergang ganz besonders.

Schrevenpark
Schrevenpark.Gasch, Georg, 1957-10 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle

Lange trug der Park einen anderen Namen: Von 1901 bis 1947 hieß er Hohenzollernpark, nach dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern. Erst am 17. Dezember 1947 beschloss die Ratsversammlung die Umbenennung in Schrevenpark – nach dem Teich, der ihm sein Gesicht gibt.

Dass der Park so friedlich wirkt, war nicht selbstverständlich. Im Zweiten Weltkrieg wurde er stark zerstört; Bombentrichter mussten zugeschüttet und Wege wiederhergestellt werden. Zwischen 1946 und 1953 baute man ihn wieder auf, mit vereinfachtem Wegenetz und ohne die einstige Parkarchitektur.

Wenn Sie weitergehen, suchen Sie den liebevoll wiederhergestellten Rosengarten. Dort steht „Die Schlummernde“, eine Sandsteinskulptur des Bildhauers Richard Engelmann, die schon seit 1926 zum Park gehörte, ab 1950 im Hiroshimapark stand und 2002 wieder hierher zurückkehrte; sie zählt heute zu den Kulturdenkmalen. Für Familien gibt es einen Spielplatz und ein Planschbecken – und am Teich eines der größten Freigehege für Wasservögel in Deutschland. Prunkvolle Gründerzeitbauten umrahmen das Ganze. So ist der Schrevenpark zugleich grüne Oase, Stadtgeschichte und beliebter Treffpunkt – ganzjährig und rund um die Uhr zugänglich.

Wusstest du?
  • Am 26. Juli 1902 eröffnet; bis 1947 hieß er Hohenzollernpark
  • Der Schreventeich nimmt etwa ein Drittel der Parkfläche ein