Steuermann am Wall
Frei zugänglich
Wer am NDR-Funkhaus nahe dem Innenhafen vorbeigeht, übersieht ihn leicht: einen Steuermann, der nachdenklich in die Ferne blickt. In den Händen hält er Steuerrad und Fernrohr, zu seinen Füßen liegt fein modelliertes Schiffstauwerk – die Figur ist sehr realistisch und detailliert ausgeführt, bis hin zu den Falten der Kleidung und der Struktur des Seils. Geschaffen hat ihn um 1900 der Bildhauer Adolf Brütt, der zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern seiner Zeit zählte.
Brütt, 1855 im nordfriesischen Husum geboren, lernte zunächst in Kiel das Steinmetzhandwerk, bevor er an der Berliner Akademie studierte und später Professor und Senator der Preußischen Akademie der Künste wurde. Internationalen Ruhm begründete seine „Schwerttänzerin“, die auf der Weltausstellung in Paris 1900 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. In Kiel hat er weitere Spuren hinterlassen – etwa den „Schwertträger“ am Rathausplatz.
Der Steuermann aber hat eine Wanderung hinter sich. Ursprünglich stand er, auf einem reich verzierten Podest, an der Fassade einer Gaststätte. 1971 kaufte die Stadt Kiel die Figur und befestigte sie am NDR-Gebäude – damals noch auf der östlichen Wasserseite, mit Blick zur Förde. Als das Funkhaus später erweitert wurde, folgte der Umzug in eine versteckte Nische auf der Westseite, ohne den Blick aufs Wasser, den er einst hatte. So steht er heute fast übersehen da – ein stiller Lotse, der noch immer Kurs hält, auch wenn ihm das Meer abhandengekommen ist.
- Von Adolf Brütt, um 1900.
- 1971 von der Stadt Kiel erworben und am NDR-Funkhaus angebracht.