Stolpersteine Kleiner Kuhberg
Frei zugänglich
Wer den Blick senkt, entdeckt sie zwischen den Pflastersteinen: kleine messingblanke Quadrate, eingelassen in den Gehweg am Kleinen Kuhberg. Es sind Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, der die Erinnerung seit 1992 buchstäblich auf Gehweghöhe bringt – jeder Stein vor dem letzten frei gewählten Wohnort eines Menschen, den die Nationalsozialisten verfolgten.
Der Kleine Kuhberg war eine Straße des Gängeviertels, jenes engen Altstadtquartiers, das der Zweite Weltkrieg zerstörte. Bevor es unterging, schlug hier auch jüdisches Leben. Die Häuser Kleiner Kuhberg 25 und Feuergang 2 gehörten 1934 dem Kaufmann Alter Weber, der dort mit Trödel handelte und einen Betsaal eingerichtet hatte – ein Treffpunkt vor allem für aus dem Osten stammende Juden.
Doch aus dem Leben wurde Verfolgung. In der „Arisierung“ musste Weber verkaufen; 1940 war die Stadt Kiel bereits Eigentümerin der Häuser. Sie wies dort jüdische Familien ein – die Gebäude wurden zu „Judenhäusern“. Im Dezember 1941 deportierte man etliche Bewohner, darunter Alter Webers Familie, nach Riga, wo sie umkamen. Im Juli 1942 wurden fast alle damals noch in Kiel lebenden Juden vom Kleinen Kuhberg 25 aus nach Theresienstadt verschleppt.
Die Steine im Pflaster tragen Namen ganzer Familien – darunter Weitz, Salomon, Markus und Czapnik. Heinz Salomon überlebte den Krieg, kehrte als erster Jude nach Kiel zurück und gehörte 1946 dem ersten schleswig-holsteinischen Landtag an.
Wo heute Neubauten stehen, halten diese Messingplatten fest, was hier geschah. Man stolpert nicht mit dem Fuß, sondern mit dem Kopf.
- Stolpersteine für die jüdischen Familien Weitz und Salomon.
- Am Kleinen Kuhberg lag ab 1939 ein „Judenhaus“.