Stolpersteine Schloßstraße
Frei zugänglich
Bleiben Sie einen Moment stehen und schauen Sie nach unten: Vier kleine Messingplatten im Gehweg der Schloßstraße, jede rund zehn mal zehn Zentimeter, glänzen zwischen dem grauen Pflaster. Es sind Stolpersteine, und sie tragen vier Namen: Philipp, Nathan, Jacob und Recha Levy. Hier, an der heutigen Hausnummer 4 – früher war es die Nummer 14 –, wohnten diese vier jüdischen Menschen, geboren zwischen 1870 und 1883.
Die Inschriften erzählen in wenigen Worten ein ganzes Schicksal. Auf Jacobs Stein steht: „Schutzhaft 1937, Polizeigefängnis Kiel, 1938 Sachsenhausen.“ Auf allen vier Steinen aber endet die Geschichte gleich: „Deportiert 1941, Riga, ermordet.“ Am 6. Dezember 1941 brachte ein Sammeltransport die ersten 977 Juden aus dem Raum Hamburg, Lüneburg und Schleswig-Holstein in das Sammellager Jungfernhof bei Riga – darunter mehr als vierzig Menschen aus Kiel und Umgebung. Insgesamt wurden rund 240 Kieler Jüdinnen und Juden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
Die Steine stammen vom Künstler Gunter Demnig, der mit seinem Projekt seit 1992 an die Opfer erinnert – verlegt vor dem letzten frei gewählten Wohnort. In Kiel kamen die Levy-Steine am 13. August 2013 in den Boden. Als das Schloßquartier umgebaut wurde, mussten sie vorübergehend weichen. Wieder verlegt wurden sie am 9. November 2018 – bewusst am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938. Treten Sie nah heran, lesen Sie die Namen. Genau das ist der Sinn: kurz innehalten, sich bücken, sich erinnern.
- Vier Stolpersteine für die Familie Levy.
- Wiederverlegt am 9. November 2018, dem 80. Jahrestag der Pogromnacht.