An der Obertrave
Wer hier am Wasser entlangschlendert, geht auf rund 720 Metern an der Trave entlang, die den Südwesten der Altstadtinsel begrenzt. Heute reihen sich Restaurants und Cafés bis zur Dankwartsbrücke aneinander, und an sonnigen Tagen sitzt man gemütlich am Ufer und schaut den Booten zu. Doch das war nicht immer so beschaulich: Früher lag hier der Hafen der Binnenschiffer, und auf Holzmarkt und Salzmarkt wurde gehandelt, was über die Flüsse in die Stadt kam. Erst 1884 wurden die einzelnen Abschnitte unter dem bis heute gültigen Namen "An der Obertrave" zusammengefasst.
Dass die Häuserzeile bis heute ein so geschlossenes Bild bietet, ist kein Zufall: Der Luftangriff vom 29. März 1942, der weite Teile der Altstadt zerstörte, traf diese Straße nicht. So blieb die historische Bebauung erhalten, darunter ein um 1600 errichtetes Renaissance-Giebelhaus an der Hausnummer 8.
Den eindrucksvollsten Akzent setzen die Salzspeicher am nördlichen Ende, gleich neben dem Holstentor. Sechs Speichergebäude entstanden zwischen 1579 und 1745 im Stil der Backsteinrenaissance und des Backsteinbarock. In ihnen lagerte das Lüneburger Salz, das über die Alte Salzstraße und später den Stecknitz-Kanal kam und Lübecks Reichtum mitbegründete. Filmfreunde erkennen die Fassaden wieder: 1922 dienten sie Friedrich Wilhelm Murnau als Kulisse für "Nosferatu".
- Die Uferstraße An der Obertrave ist rund 720 Meter lang und wurde 1884 unter diesem Namen amtlich zusammengefasst.
- Die Straße blieb vom Luftangriff am 29. März 1942 verschont und zeigt daher bis heute eine geschlossene historische Bebauung mit Giebelhäusern.