Geschichte

Burgtor Lübeck

20 MinAltstadt
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Wer Lübeck von Norden her zu Lande betrat, kam unweigerlich hier vorbei – am Burgtor, dem hochaufragenden Wächter über der schmalen Landzunge, auf der die Altstadtinsel mit dem Festland verbunden ist. Von Wasser umschlossen, war Lübeck im Norden nur über diesen einen Übergang erreichbar, und das Burgtor war sein steinernes Nadelöhr. Das heutige Tor errichtete der Stadtbaumeister Nicolas Peck im Jahr 1444 anstelle eines älteren romanischen Tores, in den Formen der späten Gotik. Es war das innerste einer gestaffelten Toranlage, ein Bollwerk, das den einzigen Landzugang zur reichen Kaufmannsstadt absicherte. Zwischen den vorgelagerten Toren spannte sich eine steinerne Brückenanlage, der volkstümlich „Bär" genannte Batardeau. Wer hindurch wollte, musste an Wachen, Zugbrücken und Mauern vorbei – und die Stadt entschied selbst, wen sie einließ.

Das Burgtor mit barocker Haube, frühe Fotografie von Joseph Wilhelm Pero
Das Burgtor mit barocker Haube, frühe Fotografie von Joseph Wilhelm Pero.Joseph Wilhelm Pero, vor 1847 · gemeinfrei · Quelle

Den Namen trägt das Tor nach der alten Lübecker Burg, die einst hoch über der Trave thronte und 1227 in ein Kloster, das spätere Burgkloster, umgewandelt wurde. Das Burgtor selbst ist ein Musterstück norddeutscher Backsteingotik: ein wuchtiger Turm aus rotem Backstein, gegliedert durch spitzbogige Blenden und feine Maßwerkfenster, die dem schweren Mauerwerk Leichtigkeit verleihen. Ursprünglich als Doppeltoranlage errichtet, wurde das Befestigungswerk 1622 um ein drittes Tor ergänzt, denn dieser Punkt blieb über Jahrhunderte die verwundbarste Stelle der Stadtbefestigung. Seine heutige, weithin sichtbare Silhouette erhielt der Turm jedoch erst 1685, als ihm – nachdem ein Brand den spitzen Turmhelm zerstört hatte – eine geschwungene barocke Haube aufgesetzt wurde, die das gotische Wehrwerk zur eleganten Landmarke krönte.

Das Burgtor mit Marstall, kolorierte Ansichtskarte „Gruss aus Lübeck"
Das Burgtor mit Marstall, kolorierte Ansichtskarte „Gruss aus Lübeck".Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, 1898 · gemeinfrei · Quelle

An den benachbarten Gebäuden, dem Marstall und dem Zöllnerhaus, sitzen kostbare Terrakotta-Friese aus der Renaissance. Der Fries am Zöllnerhaus stammt aus der Werkstatt des Statius von Düren, des bedeutendsten Terrakotta-Bildhauers der Lübecker Backsteinrenaissance, der in der Stadt zwischen 1550 und 1565 nachweisbar ist.

Alte Stadtmauer am Burgtor, historische Ansichtskarte
Alte Stadtmauer am Burgtor, historische Ansichtskarte.Unknown author Unknown author, um 1910 · gemeinfrei · Quelle

Auch die große Geschichte hat hier ihre Spuren hinterlassen: 1806 drangen französische Truppen bei der Schlacht von Lübeck durch das Burgtor in die Stadt ein. Weil sich der Verkehr durch den engen Durchlass staute, brach man dem Tor nach und nach drei weitere Durchfahrten – 1850, 1875 und schließlich 1928 –, sodass es heute vier Durchgänge zählt. So wandelte sich der einstige Wehrbau allmählich zum belebten Verkehrstor.

Blick durch die Straße zum Burgtor, historische Aufnahme
Blick durch die Straße zum Burgtor, historische Aufnahme.Unknown author Unknown author, vor 1897 · gemeinfrei · Quelle

Heute steht das Burgtor als Teil der Lübecker Altstadt unter dem Schutz des UNESCO-Welterbes. Es ist neben dem berühmten Holstentor das einzige erhaltene der einst vier großen Stadttore – ein steinerner Zeuge der Zeit, als Lübeck sich hinter Mauern und Toren als Königin der Hanse behauptete.

Wusstest du?
  • Das heutige Burgtor wurde 1444 vom Stadtbaumeister Nicolas Peck anstelle eines älteren romanischen Tores errichtet.
  • Ursprünglich als Doppeltoranlage gebaut, wurde die Befestigung 1622 um ein drittes Tor ergänzt.