Geschichte

Lübecker Dom

30 MinAltstadt

Freier Eintritt, um Spenden wird gebeten

Erzählung wird geladen

Wer vor diesem Koloss aus rotem Backstein steht, blickt auf das älteste Großbauwerk Lübecks. Den Grundstein legte 1173 kein Geringerer als Heinrich der Löwe, der mächtige Welfenherzog. Schon 1160 hatte er den Bischofssitz von Oldenburg in Holstein hierher verlegt und damit aus der jungen Siedlung eine Bischofsstadt gemacht. Lübeck war damals eine aufstrebende Handelsstadt an der Schwelle zu ihrer großen Hansezeit, und mit dem Dom setzte der Herzog ein weithin sichtbares Zeichen seiner Macht. Bauwerke dieser Art, die er im norddeutschen Raum errichten ließ, von Ratzeburg über Schwerin bis Braunschweig, nennt man bis heute die „Löwendome".

Der zerstörte Lübecker Dom nach dem Luftangriff
Der zerstörte Lübecker Dom nach dem Luftangriff.Balys, Wladas, 1942 · CC BY-SA 3.0 DE · Quelle
Chorumgang im Lübecker Dom (Aquarell von Vilhelm Dahlerup)
Chorumgang im Lübecker Dom (Aquarell von Vilhelm Dahlerup).Vilhelm Dahlerup, 1855 · gemeinfrei · Quelle

Geweiht wurde der Dom erst 1247, fast drei Generationen nach der Grundsteinlegung. Mittelalterliches Bauen brauchte eben seine Zeit, und über die Jahrzehnte arbeiteten Generationen von Steinmetzen und Maurern an dem Riesenbau. Ursprünglich entstand hier eine romanische Basilika. Doch der Geschmack änderte sich: Ab 1266 baute man den Bau zur gotischen Hallenkirche um, bei der die Seitenschiffe fast so hoch aufragen wie das Mittelschiff. Der prächtige gotische Chor war 1341 vollendet. Heraus kam einer der ersten großen Backstein-Kirchenbauten an der gesamten Ostsee, ein Vorbild, dem unzählige Kirchen im Hanseraum folgten.

Vereidigung von Rekruten im Lübecker Dom
Vereidigung von Rekruten im Lübecker Dom.Gebrüder Borchers, 1914 · gemeinfrei · Quelle

Die Zahlen sind beeindruckend: Rund 131 Meter misst der Dom in der Länge und zählt damit zu den längsten Backsteinkirchen überhaupt. Die Türme reichen knapp 115 Meter in den Himmel und gehören zu den sieben Türmen, die Lübecks unverwechselbare Silhouette über der Altstadt prägen.

Rekruten beim Kaiserhoch vor dem Lübecker Dom
Rekruten beim Kaiserhoch vor dem Lübecker Dom.Gebrüder Borchers, 1914 · gemeinfrei · Quelle

Treten Sie ein, dann erwartet Sie das größte Kunstwerk des Doms. Quer durch den Innenraum spannt sich das gewaltige Triumphkreuz, geschaffen 1477 vom Lübecker Meister Bernt Notke. Mit 17 Metern Höhe füllt es den Raum auf einzigartige Weise und zeigt den gekreuzigten Christus inmitten kunstvoll geschnitzter Figuren. Gestiftet hatte es Bischof Albert II. Krummendiek, für sage und schreibe 2000 Mark lübisch, eine für die Zeit gewaltige Summe.

Der Lübecker Dom mit Doppeltürmen am Mühlenteich
Der Lübecker Dom mit Doppeltürmen am Mühlenteich.TilFlo, 2011 · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Doch der Dom trägt auch tiefe Wunden. In der Nacht zum 29. März 1942, am Palmsonntag, traf ein britischer Luftangriff die Lübecker Altstadt. Der Dom brannte aus, die Turmhelme stürzten herab, und die Orgel wurde ein Raub der Flammen. Als Kriegsfolge brach 1946 zudem der Giebel des nördlichen Querschiffs zusammen und zerstörte die davorliegende Paradies-Vorhalle fast vollständig. Was Sie heute sehen, ist das Ergebnis jahrzehntelanger, geduldiger Wiederaufbauarbeit, die erst 1982 mit der Rekonstruktion eben dieser Paradies-Vorhalle ihren Abschluss fand. So vereint dieser Bau über 800 Jahre Lübecker Geschichte in sich: von herzoglicher Pracht über Hansereichtum bis zu Zerstörung und Neubeginn.

Wusstest du?
  • Heinrich der Löwe legte 1173 den Grundstein des Doms; bereits 1160 hatte er den Bischofssitz von Oldenburg in Holstein nach Lübeck verlegt.
  • Geweiht wurde der Dom erst 1247, und ab 1266 baute man die ursprünglich romanische Basilika zur gotischen Hallenkirche um – der gotische Chor war 1341 vollendet.