Fischergrube
Wer die Fischergrube hinabgeht, folgt einer der ältesten Adressen Lübecks. Rund 430 Meter zieht sich die Straße durch den nordwestlichen Teil der Altstadtinsel, das Marien-Magdalenen-Quartier, und fällt von der Breiten Straße sanft westwärts zur Trave hinab. Schon der Name verrät, wer hier zuerst wohnte: die Fischer, die sich seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nahe dem Travehafen niederließen. Urkundlich taucht die Gasse erstmals 1259 auf, lateinisch als Fossa piscatorum, die Fischergrube. Die niederdeutschen Formen Vyschersgrove von 1373 und Vischergrove von 1380 zeigen, wie der Name über die Jahrhunderte mitwanderte; seine heutige amtliche Schreibweise Fischergrube trägt die Straße seit 1852.
Was den Spaziergang lohnt, ist die dichte Folge der Giebel. Gotische Treppengiebelhäuser stehen neben Renaissance-Speichern, klassizistischen Fassaden und barocken Volutengiebeln, ein gebautes Geschichtsbuch der Hansestadt. Zwischen den Häusern öffnen sich die für Lübeck so typischen Gänge und Höfe, darunter der Lüngreens Gang bei Nummer 38, schmale Durchlässe in versteckte Wohnwelten hinter den Straßenfronten.
Dass so viel erhalten blieb, ist alles andere als selbstverständlich. Beim Luftangriff vom 29. März 1942 wurde die Altstadt schwer getroffen, doch zahlreiche der wertvollen Häuser an der Fischergrube überstanden die Nacht. Heute gehören sie zum UNESCO-Welterbe und lassen die Gasse als ein stilles Stück altes Lübeck erscheinen.
- Erstmals 1259 als Fossa piscatorum urkundlich erwähnt; benannt nach den Fischern, die seit Mitte des 13. Jahrhunderts nahe dem Travehafen wohnten.
- Rund 430 Meter lang, im Marien-Magdalenen-Quartier der nordwestlichen Altstadtinsel; amtliche Form Fischergrube seit 1852.