Geschichte

St. Jakobi

20 MinAltstadt
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Am Koberg, dort wo das alte Schifferviertel beginnt, steht die Kirche, die wie keine andere zu Lübecks Seefahrern gehört: St. Jakobi, geweiht dem heiligen Jakobus dem Älteren, dem Patron der Pilger und Wanderer. Bis heute zieht der Jakobsweg nach Santiago de Compostela hier vorbei, und ein Pilgerquartier am Jakobikirchhof knüpft an diese alte Tradition an. Schon 1227 wird an dieser Stelle ein Vorgängerbau erstmals erwähnt; nach einem Brand entstand um 1300 die heutige dreischiffige Backsteinhallenkirche, deren neuer Altartisch 1334 von Bischof Heinrich II. Bochholt geweiht wurde. Über fünf Joche spannt sich das Mittelschiff, das die Seitenschiffe um rund fünf Meter überragt – Backsteingotik in ruhiger, gestreckter Klarheit.

St. Jakobi in Lübeck mit dem markanten Turm über der Altstadt
St. Jakobi in Lübeck mit dem markanten Turm über der Altstadt.Arnoldius, 2006 · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Die große historische Orgel von St. Jakobi
Die große historische Orgel von St. Jakobi.Arnoldius, 2008 · CC BY-SA 3.0 · Quelle

St. Jakobi ist die Kirche der Seefahrer und Fischer. Direkt gegenüber liegt das prächtige Versammlungshaus der Schiffergesellschaft, und seit Jahrhunderten beten hier Menschen, deren Leben am Meer hängt. Wer eintritt, spürt diese maritime Frömmigkeit bis heute: in den hölzernen Logen und Gestühlen, in den Votivschiffen unter den Gewölben, in dem leisen, salzigen Ernst des Raumes.

Die berühmte Stellwagen-Orgel in St. Jakobi
Die berühmte Stellwagen-Orgel in St. Jakobi.Wikimedia Commons, 2012 · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Ein Wunder ist, dass all das noch steht. Während der Luftangriff von 1942 die benachbarte Marienkirche und den Dom in Brand setzte, blieb St. Jakobi als eine der wenigen Lübecker Kirchen unzerstört – und mit ihr ein Schatz, um den die Stadt beneidet wird: zwei historische Orgeln in ihrem alten Gehäuse. Die kleine Orgel reicht in ihren Anfängen bis 1467 zurück; 1636/37 baute der Meister Friedrich Stellwagen sie um und erweiterte sie auf 31 Register. Diese Stellwagen-Orgel zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Instrumenten des norddeutschen Barock – ein klingendes Denkmal, auf dem nach Überlieferung der Gemeinde schon Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach gespielt haben.

Blick über die Lübecker Giebel auf den Turm von St. Jakobi
Blick über die Lübecker Giebel auf den Turm von St. Jakobi.Andreas Geick, 2013 · CC BY-SA 3.0 · Quelle

In der nördlichen Turmkapelle wird die See zur Mahnung. Hier steht ein Rettungsboot der Pamir, jenes Viermast-Segelschulschiffs, das 1957 in einem Hurrikan im Atlantik sank. 80 der 86 Menschen an Bord starben, viele von ihnen junge Seeleute. Seit September 2007 ist die Pamir-Kapelle die nationale Gedenkstätte für die zivile Seefahrt; ein Kolumbarium nimmt hier die Urnen von Menschen auf, deren Leben mit der See verbunden war. Es ist ein Ort, an dem die Namen der Verunglückten nicht vergessen werden.

Der Turm der Schifferkirche St. Jakobi
Der Turm der Schifferkirche St. Jakobi.Debauchery at German Wikipedia, 2005 · CC BY-SA 3.0 · Quelle

So verbindet St. Jakobi, was Lübecks Größe ausmacht: den frommen Stolz einer Hansestadt, die Handwerkskunst der Backsteingotik und das ewige Risiko des Meeres. Treten Sie ein, schauen Sie nach oben zu den Votivschiffen, lauschen Sie der Stille zwischen den Pfeilern – und dann der nördlichen Kapelle, wo ein einfaches Boot mehr erzählt als jede Inschrift.

Wusstest du?
  • Ein Vorgängerbau wurde bereits 1227 erstmals erwähnt; die heutige Backsteinhallenkirche entstand um 1300, ihr neuer Altartisch wurde 1334 von Bischof Heinrich II. Bochholt geweiht.
  • Das Mittelschiff erstreckt sich über fünf Joche und überragt die Seitenschiffe um rund fünf Meter.