Kaisertor
Unscheinbar duckt sich das Kaisertor in den grünen Wall am Rand der Altstadt – und doch steckt in diesem Backsteinstumpf mehr Geschichte als in mancher stolzen Fassade. Um 1300 errichtete die Stadt hier zwei Wehrtürme, den Buten- und den Kaiserturm, zum Schutz des neuen Mühlendamms und der darin eingebauten, lebenswichtigen Wassermühlen. Der Kaiserturm war von Schutzmauern flankiert, ein Tortunnel führte zu einem Außenwerk, eine Brücke spannte sich über den Graben.
Doch dieser Ausgang wurde kaum genutzt, und so ließ ihn der Rat um 1500 zumauern. Eine beliebte Legende erzählt, Kaiser Karl IV. sei 1375 hindurchgeschritten – und danach habe niemand mehr passieren dürfen. Tatsächlich, so überliefert der Chronist, steckte ein nüchterner Streit zwischen Rat und Domherren um die Zollerhebung dahinter.
Im 17. Jahrhundert trug man den Turm bis auf einen Stumpf ab, der den Wall noch vier Meter überragte; davor lag die „Bastion Kaiser". 1826 zog eine Navigationsschule, die spätere Seefahrtschule, in ein aufgesetztes Obergeschoss ein. Als 1897 der Elbe-Lübeck-Kanal gebaut wurde, durchstach man die Bastion und öffnete das zugemauerte Tor wieder. Am 26. August 1900 schritt Kaiser Wilhelm II. hindurch, um an Bord der „Lubeca" die Schifffahrt auf dem neuen Kanal zu eröffnen.
- Der Rat ließ das Tor um 1500 zumauern – nicht wegen Kaiser Karl IV. (Legende von 1375), sondern wegen eines Zollstreits mit den Domherren.
- Am 26. August 1900 durchschritt Kaiser Wilhelm II. das Tor, um auf der „Lubeca" den Elbe-Lübeck-Kanal zu eröffnen.