Geschichte

Karstadt Lübeck (ehemaliges Warenhaus)

20 MinAltstadt
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Hier, im Herzen der Lübecker Einkaufsstadt zwischen Königstraße, Breite Straße und Schrangen, stehen Sie an einem Ort, der ein ganzes Kapitel deutscher Warenhausgeschichte trägt. Den Anfang machte ein Mann aus Mecklenburg: Am 14. Mai 1881 eröffnete Rudolph Karstadt in Wismar sein "Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt" – ein kleiner Laden mit einer großen Idee. Statt zu feilschen, wie es damals üblich war, hängte Karstadt feste, niedrige Preise an seine Ware aus. Was heute selbstverständlich klingt, war eine kleine Revolution: Jeder zahlte denselben Preis, ohne Verhandlungsgeschick, ohne Misstrauen. Das Geschäft hatte von Anfang an Erfolg.

Schon 1884 wagte Karstadt den nächsten Schritt und errichtete sein zweites Haus – und zwar genau hier in Lübeck. Damit ist die Hansestadt einer der ältesten Karstadt-Standorte überhaupt, ein früher Baustein eines Unternehmens, das bald in 24 Städten Norddeutschlands Filialen eröffnete, von Neumünster über Kiel bis Eutin. Die Kundenliste der ersten Jahre liest sich wie ein Stück Literaturgeschichte: Zu den ersten Käufern in Lübeck gehörten der Überlieferung nach die Brüder Thomas und Heinrich Mann, Söhne einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie, die hier ihre Kindheit verbrachten, bevor Thomas Mann die Stadt in den "Buddenbrooks" unsterblich machte. Wer hier steht, steht also dort, wo der spätere Nobelpreisträger als Junge womöglich Stoffe und Kurzwaren betrachtete.

Das Gebäude, das Sie heute sehen, ist freilich viel jünger als die Geschichte dahinter. Das große Warenhaus an der Königstraße 54-56 entstand 1996 nach Plänen des renommierten Architekten Harald Deilmann und besteht aus zwei Bauteilen, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Geschickt nutzt der Bau die Höhenunterschiede der Altstadt und fügt sich mit seiner Natursteinfassade zwischen die Backsteingiebel ein; zwischen den beiden Bauteilen prägt er bis heute den Platz am Schrangen. Über Jahrzehnte war dieses Doppelhaus die zentrale Einkaufsadresse der Altstadt, ein Magnet für Schaufensterbummler und Geschenkesucher.

Doch die große Zeit der Warenhäuser ging zu Ende. Nachdem der Standort Ende 2020 noch einmal in letzter Minute gerettet worden war, schloss das Lübecker Haus zum 31. Januar 2024 – damals Deutschlands zweitältestes Karstadt-Haus – endgültig seine Türen. Schon zuvor, im November 2022, hatte die Hansestadt das leerstehende "Haus B" für rund 13 Millionen Euro gekauft. Statt Konsumtempel soll hier etwas Neues entstehen: Für rund 50 Millionen Euro wird das Gebäude bis 2028 umgebaut – mit Platz für Schulen, ein Fahrradparkhaus und Begegnungsstätten. So schließt sich an diesem Ort ein Kreis – vom revolutionären Festpreisladen über das blühende Warenhaus bis zu einem Haus, das künftig der ganzen Stadt offenstehen soll.

Wusstest du?
  • Karstadt wurde am 14. Mai 1881 von Rudolph Karstadt in Wismar gegründet – das zweite Haus folgte 1884 in Lübeck.
  • Zu den ersten Lübecker Kunden zählten laut Überlieferung die Brüder Thomas und Heinrich Mann.