Koberg
Hier stehen Sie auf dem Koberg, nach dem Markt der zweitgrößte Platz der Lübecker Altstadt. Er liegt im Norden der Altstadtinsel, im Jakobi-Quartier, und bildet das städtebauliche Gegenstück zum Klingenberg im Süden: Die beiden großen Nord-Süd-Achsen Königstraße und Breite Straße laufen hier zusammen, sodass der Platz seit dem Mittelalter ein Knotenpunkt des städtischen Verkehrs war. Der Name klingt geheimnisvoll, ist aber bodenständig. Er stammt aus dem Niederdeutschen und wird auf "Kuhberg" oder "Kaufberg" zurückgeführt; in alten Lübecker Aufzeichnungen erscheint er als "Kaufberg oder Kuhberg", ein freier Platz bei der Jakobi- und der Heilig-Geist-Kirche zum Verkauf von Obst, Korn und dergleichen. Die Deutung als "Kuhberg" hat sich dabei als die wahrscheinlichere durchgesetzt.


Schauen Sie sich um, denn der Koberg ist vor allem eines: ein Ensemble. An der Ostseite erhebt sich das mächtige Heiligen-Geist-Hospital. Es wurde 1227 als Stiftung gegründet, der heutige Backsteinbau am Koberg war 1286 vollendet und zählt zu den bedeutendsten Werken mittelalterlicher Sozialfürsorge in Nordeuropa. Achten Sie auf die schlanken Türmchen über der Schauwand: Sie sind nicht begehbar, sondern allein aus künstlerischen Gründen gesetzte Zeichen der Backsteingotik. An der Westseite ragt die Jakobikirche auf, 1334 als Kirche der Seefahrer und Fischer geweiht; ihre Schiffergemeinde hat ihren Schütting bis heute im gegenüberliegenden Haus der Schiffergesellschaft. Genau dieses Haus steht Ihnen schräg gegenüber in der Breiten Straße: Die Seefahrerbruderschaft erwarb das Gebäude 1535 und ließ es bis 1538 zu ihrem Versammlungshaus umbauen. Heute beherbergt der weitgehend original erhaltene Bau mit seinen Schiffsmodellen und geschnitzten Wänden ein Restaurant.

Über Jahrhunderte war der Koberg ein lebendiger Mittelpunkt nördlich der zentralen Märkte. Hier wurde Recht gesprochen und Markt gehalten, und als Gerichtsplatz brauchte man für die unter freiem Himmel geführten Verfahren ein Dach: 1636 entstand dafür in der Platzmitte eine Gerichtslaube, das sogenannte Burrecht, das in den 1990er Jahren wieder aufgebaut wurde.

Eine Episode erklärt, warum der Platz einen zweiten Namen trägt. Am 15. Oktober 1889, dem Geburtstag des in Lübeck geborenen Dichters Emanuel Geibel, wurde hier das vom Karlsruher Bildhauer Hermann Volz geschaffene Geibel-Denkmal aufgestellt und der Platz in Geibelplatz umbenannt. Diesen Namen trug er von 1889 bis 1936. 1936 wurde der Platz im Zuge einer Umgestaltung zur Verkehrsfläche neu geordnet und erhielt seinen alten Namen Koberg zurück. Wer heute hier steht, blickt also auf einen Ort, an dem sich Hansegeschichte, Backsteingotik und das bürgerliche Leben der Stadt in einem einzigen Platzraum bündeln.
- Das Heiligen-Geist-Hospital an der Ostseite des Kobergs wurde 1227 als Stiftung gegründet; der heutige Backsteinbau war 1286 vollendet.
- Die Jakobikirche an der Westseite des Kobergs wurde 1334 als Kirche der Seefahrer und Fischer geweiht.