St. Marien zu Lübeck
Direkt neben dem Rathaus, mitten im Herzen der Kaufmannsstadt, steht die Kirche, die den ganzen Ostseeraum geprägt hat: St. Marien, die „Mutterkirche der Backsteingotik". Errichtet zwischen 1265 und 1351, wurde sie zum Vorbild für rund 70 Kirchen rings um die Ostsee. Sie war bewusst keine Bischofskirche, sondern die Kirche des Rates und der Bürger – und so sollte sie alles überragen, auch den Dom.


Das gelang eindrucksvoll. Die beiden Türme messen rund 125 Meter, und über dem Mittelschiff spannt sich in 38,5 Metern Höhe das höchste Backsteingewölbe der Welt. Wer eintritt, dem fällt unwillkürlich der Kopf in den Nacken: Es ist, als hätten Kaufleute und Ratsherren Gott und der eigenen Stadt zugleich ein Denkmal aus Ziegeln gesetzt.

Im Inneren versammelt sich Jahrhunderte alte Kunst. Eine astronomische Uhr, ursprünglich 1561 bis 1566 geschaffen, zeigt Lauf und Stand der Gestirne; der berühmte Totentanz des Bernt Notke führte einst Bettler wie Könige im Reigen mit dem Tod – ein Bildwerk von europäischem Rang.

Doch über allem liegt die Erinnerung an eine einzige Nacht. In der Bombennacht zum Palmsonntag, vom 28. auf den 29. März 1942, brannte St. Marien bis auf die Mauern aus. Uhr und Totentanz verbrannten, die Türme glühten. Die Glocken stürzten herab und zerschmolzen beim Aufschlag. Man hat sie nicht ersetzt, sondern liegen gelassen: Bis heute ruhen die zerborstenen Glocken im Südturm am Boden – ein Mahnmal, vor dem die Worte leiser werden. Die astronomische Uhr wurde 1960 bis 1967 neu geschaffen, der Wiederaufbau der Kirche begann schon 1947.

Und dann ist da noch der Teufel. Vor dem Bau kauert eine kleine Bronzefigur auf einem Granitblock – der „Teufelsstein". Die Legende erzählt, der Teufel habe geholfen zu bauen, weil er ein Weinhaus erwartete; als er die Kirche erkannte, wollte er sie wütend zerstören, ließ sich aber mit dem Versprechen eines Ratsweinkellers nebenan besänftigen. Die Skulptur von Rolf Goerler steht hier seit 1999 – ein augenzwinkernder Schlusspunkt an einem Ort von gewaltiger Wucht.
- Erbaut 1265–1351, gilt St. Marien als „Mutterkirche der Backsteingotik" und war Vorbild für rund 70 Kirchen im Ostseeraum.
- Mit 38,5 m besitzt das Mittelschiff das höchste Backsteingewölbe der Welt; die Türme messen rund 125 m.