Geschichte

Markt Lübeck

15 MinAltstadt
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Stellen Sie sich vor: Schon 1156 berichtet der Chronist Helmold von Bosau, dass an dieser Stelle heidnische Stämme ihren Thing, ihre Versammlung, abgehalten haben. Damit ist der Lübecker Markt einer der ältesten durchgehend genutzten Plätze der Stadt – ein Ort, an dem Geschichte buchstäblich Schicht um Schicht im Boden liegt.

Der Marktplatz mit Rathaus, Marienkirche und Markttreiben
Der Marktplatz mit Rathaus, Marienkirche und Markttreiben.Lokilech, um 1838 · gemeinfrei · Quelle
Markt mit Rathaus und Marienkirche
Markt mit Rathaus und Marienkirche.Johannes Schunke (+ 1949), um 1938 · gemeinfrei · Quelle

Im Mittelalter war der Markt das pulsierende Wirtschaftszentrum der „Königin der Hanse". Einzelhandel war ausschließlich im Marktareal zwischen oberer Mengstraße und Kohlmarkt erlaubt, und allein im Jahr 1290 standen hier sage und schreibe 322 Verkaufsbuden, die sich dicht an dicht über den Platz drängten. Wer hier handelte, handelte im Herzen einer Stadt, deren Kaufleute den gesamten Ostseeraum beherrschten. Der berühmte Ratskeller unter dem Rathaus ist bereits seit 1220 belegt – die Lübecker wussten also schon früh, Geschäft und Geselligkeit zu verbinden.

Rathaus und Markt
Rathaus und Markt.Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, 1898 · gemeinfrei · Quelle

Vollständig umbaut wurde der Markt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Werfen Sie einen Blick auf das prächtige Rathaus, eines der bekanntesten Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik. Achten Sie auf die großen runden Öffnungen in den hohen Schildmauern zur Marktseite: Diese „Windlöcher" sind kein Zierrat, sondern reine Ingenieurskunst – sie brechen den Wind und schützen die Fassade vor zu starkem Winddruck.

Blick über den Markt auf Rathaus und Marktstände
Blick über den Markt auf Rathaus und Marktstände.Andreas Tusche, 2000 · gemeinfrei · Quelle

Gegenüber thront die mächtige Marienkirche, deren Türme bis heute die unverwechselbare Kulisse des Platzes bilden. Lange Zeit stand auf dem Markt der Kaak, der steinerne Pranger der Stadt, erstmals 1294 erwähnt. 1465 setzte man das obere Geschoss, den sogenannten „Finkenbauer", auf eine unterkellerte Butterbude mit zwölf Verkaufsständen – Handel und Hochgerichtsbarkeit unter einem Dach. 1952 wurde der Kaak abgebrochen und eingelagert, doch 1986/1987 unter Verwendung der originalen gotischen Bauteile wieder aufgerichtet.

Der Markt im frühen 19. Jahrhundert
Der Markt im frühen 19. Jahrhundert.Unknown artist; without any doubt dead for more than 70 years, 1806 · gemeinfrei · Quelle

So friedlich der Platz heute wirkt – am 29. März 1942 verwüstete ein verheerender Luftangriff weite Teile der Altstadt. Trotz dieser Zerstörung und einer Verkleinerung nach Süden beim Wiederaufbau hat der Markt seine kraftvolle Wirkung bewahrt. Bis heute ist er Bühne für Wochenmarkt, Weihnachtsmarkt und das alltägliche Leben einer Stadt, die ihre tausendjährige Geschichte mit Selbstverständlichkeit trägt.

Wusstest du?
  • 1156 berichtet der Chronist Helmold von Bosau, dass heidnische Stämme an dieser Stelle ihren Thing (ihre Versammlung) abhielten.
  • Im Jahr 1290 standen auf dem Markt 322 Verkaufsbuden.