Marstall Lübeck
Hier, im Schatten zwischen Burgkloster und Burgtor, schlug einst das praktische Herz der Lübecker Ordnungsmacht. Schon 1298 wird der Marstall erstmals erwähnt – und der Name verrät nur die halbe Wahrheit. Zwar standen hier die Pferde der Stadt in ihren Ställen, doch der Marstallhof war weit mehr: Vom Mittelalter bis in die Neuzeit diente er als Wache der Lübecker Ordnungshüter, die man im Mittelalter Reitendiener nannte. Sie kümmerten sich um das Wohl des Rats, bedienten die Ratsherren bei Sitzungen und Banketten, waren zugleich Leibwache, Kuriere und Polizeitrupp – und bewachten das Gefängnis, das bis zur Errichtung der JVA Lauerhof 1909 ebenfalls hier untergebracht war. Neben Stallungen und Kerker gehörte auch eine Schmiede zum Komplex. Geleitet wurde der Marstall von zwei stets wechselnden Ratsherren, den Stallherren, damit sich keine Macht in einer Hand bündelte.
Werfen Sie den Blick nach oben: Über der breiten Toreinfahrt sitzt ein Fachwerkgeschoss, dessen Bildschnitzerei den Hof schmückt. Die einst hier stehende Marstallschmiede mit ihrer Renaissancefassade an der Großen Burgstraße fiel 1894 dem neugotischen Neubau des Gerichtsgebäudes zum Opfer. Die verbliebenen Bauten gehören zur Lübecker Stadtbefestigung, stehen unter Denkmalschutz und sind Teil des UNESCO-Welterbes der Altstadt. Heute füllt junges Leben die alten Mauern – der Marstall dient als Jugendzentrum.
- Bereits 1298 erstmals urkundlich erwähnt, beherbergte der Marstall Pferdeställe, eine Schmiede und bis 1909 das Stadtgefängnis.
- Geleitet wurde der Marstall von zwei stets wechselnden Ratsherren, den Stallherren, damit sich der Machteinfluss nicht in einer Hand bündelte.