Museumshafen Lübeck
Werfen Sie den Blick auf das Wasser: Hier liegen sie aufgereiht wie an einer Perlenkette, die stolzen Masten, das blank geputzte Messing, die geölten Schiffsplanken. Der Museumshafen Lübeck breitet sich am Wenditzufer aus, direkt am nordwestlichen Rand der Altstadtinsel, dort, wo die Untertrave die mittelalterliche Stadtsilhouette spiegelt. Ein großer Teil der Schiffe liegt im Holstenhafen, dem geschützten Innenbecken. Was Sie sehen, ist kein gewöhnlicher Liegeplatz, sondern eine schwimmende Sammlung, echte Zeugen der Seefahrt, in liebevoller Handarbeit erhalten.


Hinter dieser Kulisse steht der Museumshafen zu Lübeck e.V. Den gemeinnützigen Verein gibt es seit 1981; Freunde der traditionellen Seefahrt kauften alte Segelschiffe auf, restaurierten sie und machten sie hier vor der malerischen Altstadt fest. Heute tragen rund 120 Mitglieder den Verein, darunter etwa 15 Eigner traditioneller Segelschiffe und historischer Wasserfahrzeuge. Mehr als ein Dutzend Fahrzeuge liegt vertäut, vor allem Schoner, Kutter und andere segelnde Arbeitsschiffe aus den Baujahren 1870 bis 1957. Jedes Schiff erzählt seine eigene Geschichte aus einer Zeit, als Fracht noch unter Segeln über die Ostsee gebracht wurde, lange bevor Motoren das Kommando übernahmen.

Drei Schiffe gehören dem Verein selbst und führen Sie tief in die Hafentechnik: die TITAN, ein Motorschlepper von 1910, die WELS, ein Eimerkettenbagger von 1936, und die TENDER, ein Festmacherboot von 1945. Das sind keine eleganten Segler, sondern die rauen Arbeitstiere, ohne die kein Hafen funktionierte: Schlepper zogen die großen Frachtensegler in den Hafen, Bagger hielten die Fahrrinnen tief, Festmacherboote brachten die Leinen an Land. Wer aufs Deck schaut, ahnt, wie viel Muskelkraft und Ruß hier einst im Spiel war.

Zwei Schiffe stechen besonders hervor. Die LISA VON LÜBECK ist der Nachbau eines Kraweels, jenes spätmittelalterlichen Handelsschiffstyps, mit dem Kaufleute ihre Waren über die See trugen, ein Brückenschlag zu Lübecks großer Hansezeit. Und das Feuerschiff FEHMARNBELT erinnert daran, dass die See nicht nur Reichtum, sondern auch Gefahr bedeutete: Solche Schiffe lagen fest verankert und wiesen mit ihrem Licht den Weg durch Untiefen und Dunkelheit, dort, wo kein Leuchtturm stehen konnte.

Das Schönste am Museumshafen: Er ist jederzeit frei zugänglich. Kein Ticket, kein Tor, nur Sie, der Geruch von Teer und Tauwerk und das leise Knarren der Rümpfe im Wasser. Gehen Sie die Kaikante entlang, lesen Sie die Namen an den Bugen, und Sie spüren, warum dieser Ort als lebendiges Stück Hafengeschichte gilt. Im Sommer brechen viele der Schiffe zu Ostseetörns auf, wer Glück hat, sieht sie auslaufen. Hier liegt die Seefahrt nicht im Museumsglaskasten, sondern leibhaftig im Wasser.
- Den gemeinnützigen Museumshafen zu Lübeck e.V. gibt es seit 1981; gegründet von Freunden der traditionellen Seefahrt.
- Mehr als ein Dutzend Schiffe liegt hier vertäut, mit Baujahren von 1870 bis 1957.