Schrangen am Marienkirchhof
Der Name klingt rätselhaft, doch er ist handfest: "Schrangen" geht auf das niederdeutsche Wort für "Schranken" zurück, gemeint im alten Sinne von Tischen oder Tresen – also den Verkaufsbänken, an denen hier die Lübecker Schlachter ihre Ware feilboten. Schon seit dem 13. Jahrhundert reihten sich an diesem rund hundert Meter langen Straßenraum, der von der Breiten Straße gegenüber dem Kanzleigebäude hinab zur parallel verlaufenden Königstraße führt, die Buden aneinander. Urkundlich taucht die nördliche Gasse 1293 als "macella carnificum", als Fleischmarkt, auf – ein Ort, an dem es nach Blut, Salz und Stimmengewirr roch. Bis 1845 galt für Lübecks Schlachter sogar ein Zwang: Fleisch durfte ausschließlich auf dem Schrangen verkauft werden. Als diese Regel fiel, verloren die Buden ihren Sinn, wurden abgebrochen, und auf dem frei gewordenen Platz pflanzte man Bäume. 1884 erhielten die schmalen Gassen amtlich die Namen "Alter Schrangen" und "Kleiner Schrangen"; 1931 gingen beide im neu angelegten, heutigen Schrangen auf. Geblieben ist vor allem die Weite: Wo sich einst die Fleischbänke drängten, öffnet sich heute der Blick auf die backsteinerne Marienkirche, die Mutterkirche der Backsteingotik im Ostseeraum. Der angrenzende Marienkirchhof, seit 1852 amtlich so benannt, war über Jahrhunderte als Kirchenbesitz die viel begangene Verbindung zwischen Rathaus und Mengstraße.
- Bis 1845 mussten Lübecks Schlachter ihr Fleisch ausschließlich auf dem Schrangen verkaufen.
- Die nördliche Gasse ist 1293 als 'macella carnificum' (Fleischmarkt) urkundlich belegt.