Geschichte

Carlebach-Synagoge Lübeck

20 MinAltstadt
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Wer vor der St.-Annen-Straße 13 steht, blickt auf das einzige vollständig erhaltene jüdische Gotteshaus in ganz Schleswig-Holstein. Doch was Sie heute sehen, ist nicht das prächtige Gebäude, das hier einst stand – seine Geschichte erzählt von Glanz, Gewalt und einer späten Heimkehr.

Die Lübecker Synagoge mit ihrer Kuppel
Die Lübecker Synagoge mit ihrer Kuppel.unknown, um 1930 · gemeinfrei · Quelle

Mit dem Bau wurde am 15. Juli 1878 begonnen, und nach rund zweijähriger Bauzeit weihte man die Synagoge am 10. Juni 1880 feierlich ein. Der Lübecker Architekt Ferdinand Münzenberger, geboren 1846, hatte sie nach dem Vorbild der berühmten Neuen Synagoge in der Berliner Oranienburger Straße entworfen: ein reich verzierter Backsteinbau im maurischen Stil, gekrönt von einer prächtigen Kuppel, die weithin über die Altstadt sichtbar war. Bei der Einweihung 1880 nahm der gesamte Lübecker Senat teil – ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich die jüdische Gemeinde zur Hansestadt gehörte. Rund 500 Juden lebten damals in Lübeck.

Die Synagoge in der St.-Annen-Straße
Die Synagoge in der St.-Annen-Straße.Unknown author Unknown author, um 1900 · gemeinfrei · Quelle

Ihren Namen trägt die Synagoge nach Rabbiner Salomon Carlebach, der die Gemeinde seit 1870 leitete und einer weitverzweigten Gelehrtenfamilie entstammte. Sein Sohn Joseph Carlebach folgte ihm zeitweise als Rabbiner nach und wurde später ein bedeutender Gelehrter und Rabbiner Hamburgs.

Die Synagoge mit Besuchern
Die Synagoge mit Besuchern.Gebrüder Borchers, 1904 · gemeinfrei · Quelle

In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge geschändet und ihr Inneres verwüstet – doch sie brannte nicht, denn das Gebäude war bereits zum Verkauf an die Stadt vorgesehen. Zwischen 1939 und 1941 ließ Stadtbaurat Hans Pieper die maurischen Stilelemente und die Kuppel entfernen und das Haus zu einer schlichten Backsteinfassade umbauen; es diente fortan als Turnhalle. Gerade weil man es nicht niederbrannte, sondern profanierte, überdauerte es die NS-Zeit als Bausubstanz – anders als fast alle anderen Synagogen in Deutschland. Auch nach dem Krieg blieb das Haus nicht verschont: 1994 und 1995 verübten Täter Brandanschläge auf die wieder genutzte Synagoge.

Außenansicht der Synagoge
Außenansicht der Synagoge.unknown, 1904 · gemeinfrei · Quelle

Von 2014 bis 2020 wurde das denkmalgeschützte Haus über sechs Jahre aufwendig saniert: die kunstvoll bemalten Wände und Decken des zweigeschossigen Betsaals restauriert, dazu Dach, Heizung und sanitäre Anlagen erneuert. Die Kosten stiegen auf rund 8,5 Millionen Euro, getragen von Bund, Land, Stadt und mehreren Stiftungen. Am 12. August 2021 wurde die Carlebach-Synagoge schließlich feierlich wiedereröffnet – unter den rund hundert geladenen Gästen waren der Zentralratspräsident Josef Schuster und Ministerpräsident Daniel Günther.

Blick in den Innenraum der Synagoge
Blick in den Innenraum der Synagoge.Unknown author Unknown author , not menioned anywhere, um 1905 · gemeinfrei · Quelle

Heute zählt die jüdische Gemeinde Lübecks etwa 600 Mitglieder, viele von ihnen mit osteuropäischen Wurzeln. Das Haus ist kein Museum, sondern ein lebendiger Ort gelebten Glaubens – und zugleich ein Mahnmal dafür, was verloren ging und was, gegen alle Wahrscheinlichkeit, zurückkehren durfte.

Wusstest du?
  • Mit dem Bau wurde am 15. Juli 1878 begonnen; die Einweihung folgte am 10. Juni 1880, an der der gesamte Lübecker Senat teilnahm.
  • Architekt war der Lübecker Ferdinand Münzenberger (1846–1924), der den Bau im maurischen Stil nach dem Vorbild der Berliner Neuen Synagoge entwarf.