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An der Untertrave

20 MinAltstadt
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Wo Sie jetzt stehen, drängt sich die Altstadt bis ans Wasser: Die etwa neunhundertsechzig Meter lange Straße An der Untertrave zieht sich als Uferzeile am Nordwestrand der Lübecker Altstadtinsel entlang, dort, wo die Trave einen weiten Bogen um den Stadthügel schlägt. Über Jahrhunderte war dieser Streifen kein Spazierweg, sondern der Arbeitsplatz der Hanse. Hier legten Koggen und Frachtsegler an, hier wurden Waren wie Heringe, Holz, Eisen und Wein an Land gewuchtet, gewogen und in die dahinterliegenden Speicher gerollt. Lübeck galt als das Haupt der Hanse, und ein guter Teil dieses Reichtums floss über genau dieses Ufer in die Stadt.

An der Untertrave mit Giebelhäusern und Fischstraße, Lithografie
An der Untertrave mit Giebelhäusern und Fischstraße, Lithografie.K.H.A. Meier, um 1853 · gemeinfrei · Quelle
Hafenufer an der Untertrave mit Segelschiffen und Giebelhäusern, Photochrom
Hafenufer an der Untertrave mit Segelschiffen und Giebelhäusern, Photochrom.Snapshots Of The Past, um 1900 · CC BY-SA 2.0 · Quelle

Die alten Namen einzelner Abschnitte verraten das geschäftige Treiben noch heute: Der Heringsmarkt zwischen Beckergrube und Fischergrube ist schon seit vierzehnhundertdreiundachtzig urkundlich belegt, am Eisenmarkt nahe der Fischstraße landete schwedisches Eisen, und der Osemundsmarkt trägt die älteste überlieferte Form aus dem Jahr siebzehnhundert. Andere Stücke hießen Petri-Sanddamm, Weinstaat oder Am Dampfschiffshafen. Erst achtzehnhundertvierundachtzig fasste man den gesamten Straßenzug unter dem heutigen Namen An der Untertrave zusammen. Als der Schiffsverkehr im neunzehnten Jahrhundert wuchs, errichtete man neunzehnhundertsechs neue Kaimauern von der Klappbrücke bis zur Kanaleinfahrt, weil frühere Hochwasser Schäden hinterlassen hatten; dabei wurde die Straße stellenweise um bis zu einen Meter angehoben.

Giebelhäuserzeile mit Geschäften an der Untertrave
Giebelhäuserzeile mit Geschäften an der Untertrave.Sigurd Curman, 1901 · gemeinfrei · Quelle

Heute liegt am Ufer der Museumshafen. Der gemeinnützige Verein „Museumshafen zu Lübeck" besteht seit neunzehnhunderteinundachtzig und versammelt an gepflegten Liegeplätzen mehr als ein Dutzend historische Wasserfahrzeuge – vor allem Schoner, Kutter und segelnde Arbeitsschiffe, deren Baujahre vom späten neunzehnten Jahrhundert bis in die fünfziger Jahre des zwanzigsten reichen. Dem Verein selbst gehören unter anderem der Eimerkettenbagger „Wels" von neunzehnhundertsechsunddreißig und der Schlepper „Titan" von neunzehnhundertzehn. Vom Drehbrückenplatz aus haben Sie einen weiten Blick über die hölzernen Masten und Rümpfe, die das Bild eines alten Gebrauchshafens lebendig halten. Viele dieser Schiffe sind noch fahrtüchtig und laufen im Sommer zu Törns aus.

Häuserreihe und Straße an der Untertrave
Häuserreihe und Straße an der Untertrave.Gebrüder Borchers, 1906 · gemeinfrei · Quelle

Am nördlichen Ende der Straße, An der Untertrave 1, öffnete das Europäische Hansemuseum seine Tore. Im Zuge seines Baus wurde der Straßenabschnitt davor zweitausenddreizehn von vier auf zwei Fahrspuren zurückgebaut, um den Menschen das Wasser zurückzugeben. Blicken Sie über die Trave: Masten, Giebel und Speicherfronten spiegeln sich im Wasser – ein Bild, das in seinen Grundzügen schon den Kaufleuten des Mittelalters vertraut war, als hier das Herz des hansischen Seehandels schlug. Folgen Sie der Uferzeile nach Süden, gelangen Sie zur Obertrave, wo neben dem Holstentor die berühmten Salzspeicher stehen – doch das ist eine andere Station.

Wusstest du?
  • Die Uferstraße An der Untertrave ist etwa 960 Meter lang und erhielt 1884 ihren heutigen, einheitlichen Namen.
  • Einzelne Abschnitte trugen früher eigene Marktnamen wie Heringsmarkt (seit 1483 belegt), Eisenmarkt und Osemundsmarkt.