Von-Höveln-Gang
Eine unscheinbare Tür in der Wahmstraße, dahinter eine andere Welt: Der Von-Höveln-Gang gehört zu den rund 90 Gängen und Höfen, die in Lübecks Altstadt erhalten geblieben sind – einst sollen es bis zu 180 gewesen sein. Diese schmalen Durchgänge führten zu dicht bebauten Hinterhöfen, in denen Bedienstete, Tagelöhner, Handwerker und Seeleute lebten, während die wohlhabenden Kaufmannsfamilien an den Hauptstraßen wohnten. Gegründet wurde der Gang ab 1481 vom Lübecker Ratsherrn Tidemann Evinghusen, der ihn als Armengang mit Freiwohnungen für 45 mittellose Frauen einrichtete – ein frühes Beispiel der Stiftungs- und Fürsorgekultur reicher Hansebürger. 1570 ging die Anlage an Bürgermeister Gotthard von Höveln über, nach dem der Gang seither benannt ist; am Tordurchgang erinnert noch heute das Wappen der Familie von Höveln daran. Die heute sichtbaren Häuschen prägen vor allem die Umbauten von 1792, als die ganze Anlage erneuert wurde. Nach einer gründlichen Sanierung 1972 entstanden hinter den historischen Fassaden zehn moderne Altenwohnungen – der Gang erfüllt also bis heute seine ursprüngliche Bestimmung als Zuhause für ältere und bedürftige Menschen. Die Gänge und Höfe gehören zum UNESCO-Welterbe der Lübecker Altstadt. Wer hier eintritt, sollte leise sein: Hinter den Backsteinmauern wird tatsächlich gewohnt.
- Gegründet ab 1481 vom Lübecker Ratsherrn Tidemann Evinghusen als Armengang mit Freiwohnungen für 45 mittellose Frauen.
- 1570 ging der Gang an Bürgermeister Gotthard von Höveln über, nach dem er seither benannt ist.